Wo der Böhmerwald aus Granit gebaut scheint
Der Dreisesselberg gehört zu den Orten, an denen die Landschaft sofort Eindruck macht. Zwischen lichten Bergwäldern stehen gewaltige Granitblöcke wie übereinandergestapelte Kissen, schmale Treppen führen auf Felskanzeln und hinter jeder Kuppe öffnet sich ein neuer Blick über Bayern, Böhmen und das Mühlviertel. Für uns zählt diese Felsenwelt zu den Ausflügen, die man Gästen am Lipno ohne Zögern empfehlen kann.
Dieser Tipp konzentriert sich bewusst auf die Felsformationen rund um Dreisesselfelsen und Hochstein. Ihr müsst dafür keine ganztägige Grenzkammwanderung absolvieren. Mit dem Auto erreicht ihr den hoch gelegenen Dreisesselparkplatz; von dort lassen sich die spektakulärsten Felsen auf einer überschaubaren Runde entdecken. Familien mit wandererfahrenen Kindern ab etwa acht Jahren erleben so einen echten Bergtag, ohne zuerst viele hundert Höhenmeter aufsteigen zu müssen.
Anfahrt und Start am Dreisesselparkplatz
Von Černá v Pošumaví sind es rund 33 Kilometer bis in das deutsche Dreisesselgebiet. Rechnet wegen der kleineren Straßen und des Grenzverlaufs nicht nur nach Entfernung, sondern insgesamt mit sechs bis neun Stunden für Anfahrt, Wanderung, Pausen und Rückfahrt. Als Ziel für das Navigationsgerät eignet sich der Dreisesselparkplatz oberhalb von Frauenberg bei Neureichenau. Der große Parkplatz liegt bereits auf etwa 1.220 Metern Höhe; Parkgebühren und aktuelle Zufahrtsregeln prüft ihr vor Ort.
Am Wochenende und an klaren Ferientagen lohnt sich ein früher Start. Der Berg ist dank der Straße leicht erreichbar und entsprechend beliebt. Morgens ist es an den Felsen ruhiger, das Licht angenehmer und die Chance auf klare Fernsicht oft besser. Selbst im Sommer kann es hier oben deutlich kühler und windiger sein als am Lipno. Eine zusätzliche Schicht gehört deshalb immer in den Rucksack.
Zum Dreisesselfelsen: wenige Schritte, große Wirkung
Vom Parkplatz folgt ihr der asphaltierten Zufahrt bergauf. Schon nach kurzer Zeit erreicht ihr den Dreisesselfelsen und das Dreisesselhaus. Die berühmte Formation besteht aus rund verwitterten Granitpaketen, deren Formen an große Sitze erinnern. Einer Sage nach sollen hier die Herrscher von Bayern, Böhmen und Österreich über ihre Grenzen beraten haben. Historisch entstand der Name im 17. Jahrhundert zunächst für diese auffällige Felsgruppe und wurde später auf das ganze Massiv übertragen.
Kinder entdecken in den Felsen schnell Tiere, Gesichter oder Burgen. Das macht den kurzen Weg spannender als einen gewöhnlichen Gipfelspaziergang. Bleibt dennoch auf den vorgesehenen Zugängen. Granit kann bei Nässe sehr glatt sein, und an den Kanten geht es steiler hinunter, als es auf Fotos wirkt. Erwachsene sollten jüngere Kinder auf Treppen und Felsplattformen unmittelbar begleiten.
Weiter zum Hochstein
Vom Dreisesselfelsen erreicht ihr den Hochstein in ungefähr zehn Minuten. Die große Granitgruppe mit Gipfelkreuz ist über eine steinerne Treppe zugänglich. Oben schaut ihr nach Osten in Richtung Šumava, während sich auf der anderen Seite der Bayerische Wald ausbreitet. Bei außergewöhnlich klarer Luft reicht die Fernsicht bis zu den Alpen.
Unterhalb des Felsens steht die kleine Johann-Nepomuk-Neumann-Kapelle. Sie wirkt zwischen Wald und Granit fast geschützt in die Landschaft gesetzt und bietet einen ruhigen Gegenpunkt zu den Aussichtsfelsen. Für die einfache Runde Dreisessel–Hochstein und zurück nennt die regionale Tourismusinformation ungefähr zwei Stunden. Mit Kindern und ausgiebigen Fotopausen dürft ihr mehr Zeit einplanen.
Wie die runden Granitformen entstanden
Die Felsen wurden nicht zu diesen Formen geschichtet. Der Granit war zunächst ein zusammenhängender Gesteinskörper. Wasser drang über sehr lange Zeit in Klüfte ein, Verwitterung griff besonders Ecken und Kanten an, und nach dem Abtragen des umgebenden Materials blieben die abgerundeten Blöcke sichtbar. Geologen sprechen von Wollsackverwitterung, weil die Pakete wie aufeinandergelegte Säcke aussehen.
Vor Ort lässt sich dieser Prozess besser verstehen als auf einer Tafel. Schaut euch die horizontalen und senkrechten Fugen, die runden Kanten und die einzelnen Blöcke an. Für Kinder wird daraus eine kleine Forscheraufgabe: Welche Formation sieht am instabilsten aus, obwohl sie seit unvorstellbar langer Zeit steht? Bitte widersteht der Versuchung, auf unmarkierte Blöcke zu klettern. Flechten, Moose und dünne Böden reagieren empfindlich, und ein Sturz auf Granit endet selten harmlos.
Die längere Variante zum Steinernen Meer
Wenn alle trittsicher sind und das Wetter stabil bleibt, könnt ihr die kurze Felsenrunde zum Steinernen Meer erweitern. Die ausgeschilderte Tour führt über den Adalbert-Stifter-Steig beziehungsweise den Nordwaldkammweg zu einem Hang voller großer, übereinanderliegender Blöcke. Für Hin- und Rückweg werden etwa drei Stunden angegeben; feste Wanderschuhe sind Voraussetzung.
Dieser Abschnitt ist deutlich bergiger und rauer als der Spaziergang zwischen Parkplatz, Dreisesselfelsen und Hochstein. Mit Kindern entscheidet ihr erst vor Ort, ob Kraft, Trittsicherheit und Konzentration reichen. Bei Nebel, Gewitterneigung oder nassem Fels bleibt die kurze Runde die bessere Wahl. Der Berg verliert dadurch nichts von seiner Wirkung.
Beachtet außerdem saisonale Schutzmaßnahmen. Nach aktueller Tourismusinformation ist der Weg zwischen Habergrasberg und Hochstein vom 1. April bis 14. Juli als wichtiges Brutgebiet des Auerhuhns gesperrt. Folgt immer den Schildern vor Ort und umgeht keine Absperrung. Auch abseits dieser konkreten Strecke bleibt ihr im Schutzgebiet auf markierten Wegen.
Praktische Hinweise für Familien und Gruppen
Die Gipfelfelsen sind nicht kinderwagentauglich. Schon Treppen, Wurzeln und kantige Steine machen eine Trage für kleine Kinder sinnvoller; für den empfohlenen Altersbereich ab acht Jahren sind feste Schuhe mit griffiger Sohle wichtig. Nehmt Wasser, Brotzeit, Sonnenschutz und eine winddichte Jacke mit. Auf über 1.300 Metern kann das Wetter rasch wechseln, und Schatten ist in den lichten Bereichen nicht überall vorhanden.
Das Berggasthof Dreisessel bietet grundsätzlich eine Einkehrmöglichkeit, doch Ruhetage oder Öffnungszeiten können sich ändern. Prüft sie am Ausflugstag und verlasst euch nicht ausschließlich darauf. Toiletten stehen am verlässlichsten im Zusammenhang mit geöffneter Gastronomie beziehungsweise der Infrastruktur am Gipfelbereich zur Verfügung.
Hunde dürfen nach den Vorgaben der Tabelle mitkommen, bleiben im Naturschutzgebiet aber an der Leine. Zwischen Treppen, Felsblöcken und vielen Wanderern ist ein gut sitzendes Geschirr praktischer als eine lange Schleppleine. Wasser für den Hund müsst ihr selbst tragen; natürliche, zuverlässig erreichbare Trinkstellen gibt es auf der kurzen Gipfelrunde nicht.
Wann ist der Dreisessel am schönsten?
Die beste Zeit reicht vom späten Frühling bis in den Herbst. Im Frühsommer ist das Grün frisch, im September und Oktober geben goldene Gräser und klare Luft den Felsen besonders viel Kontur. An heißen Tagen ist die Höhenlage angenehm, bei starkem Wind dagegen überraschend kühl. Nach Regen warten wir lieber, bis die Felsstufen abgetrocknet sind. Als Ziel für einen Regentag ist der Dreisessel ungeeignet.
Auch Nebel hat atmosphärischen Reiz, nimmt euch aber die Aussicht und erschwert die Orientierung. Da die Fernblicke ein wesentlicher Teil des Erlebnisses sind, lohnt es sich, den flexibelsten Urlaubstag mit stabiler Vorhersage zu wählen. Bei Gewitterprognose bleibt ihr von exponierten Felsköpfen fern und verschiebt die Tour.
Unsere Empfehlung
Die Felsenwelt am Dreisesselberg verbindet einen leichten Zugang mit echtem Hochgebirgsgefühl im Mittelgebirge. Innerhalb kurzer Strecke erlebt ihr bizarre Granittürme, einen aussichtsreichen Gipfelfelsen, eine kleine Bergkapelle und auf Wunsch das Steinerne Meer. Genau diese Dichte macht den Ausflug auch für zwei Familien oder eine Gruppe von Freunden attraktiv.
Für uns gehört der Dreisessel zu den schönsten Landschaftszielen im weiteren Umfeld des Lipno-Sees. Fahrt früh los, nehmt euch an den Felsen Zeit und wählt die Länge der Runde nach den schwächsten Teilnehmern. Dann wird daraus ein Ausflug, bei dem wirklich alle sagen: Genau hier wollen wir hin.