Ein Schritt, drei Länder
Mitten im Böhmerwald gibt es einen Ort, an dem Tschechien, Deutschland und Österreich an einem einzigen Punkt zusammentreffen. Kein Schlagbaum, keine Straße und kein Souvenirgeschäft markieren ihn, sondern Grenzsteine und ein steinernes Denkmal auf einer stillen Hochfläche. Gerade diese Schlichtheit macht das Trojmezí, auf Deutsch Dreiländereck, so besonders.
Für uns ist es weit mehr als ein Fotostopp. Der Weg dorthin führt über einen der schönsten Grenzkämme der Region, durch eine Landschaft aus Granit, Bergwald und weiten Blicken. Wanderfreudige Familien und Freundesgruppen erleben dabei ganz nebenbei, wie nah die drei Länder rund um Lipno tatsächlich zusammengehören.
Die beste Familienroute vom Dreisessel
Am übersichtlichsten erreicht ihr das Trojmezí vom deutschen Dreisesselparkplatz. Die Bergstraße endet direkt beim Berggasthof, etwa drei Kilometer Luftlinie vom Dreiländereck entfernt. Zu Fuß folgt ihr dem markierten Grenzsteig über den Hochkamm und den Bayerischen Plöckenstein. Hin und zurück werden daraus ungefähr acht Kilometer, je nach kleinen Abstechern etwas mehr.
Der Höhenunterschied bleibt moderat, der Weg ist trotzdem keine breite Promenade. Wurzeln, lose Steine und Granitplatten bremsen das Tempo. Mit Pausen benötigt ihr etwa drei bis vier Stunden. Zusammen mit der Fahrt ab Lipno, dem Dreisesselfelsen und einer Einkehr solltet ihr für den gesamten Ausflug sieben bis zehn Stunden freihalten.
Eine längere tschechische Variante führt aus dem Raum Nová Pec über Plechý und den Grenzkamm. Sie ist landschaftlich großartig, aber eine ausgewachsene Tagestour mit deutlich mehr Höhenmetern. Familien mit Kindern ab etwa zehn Jahren empfehlen wir die Route vom Dreisessel; für die lange Variante sollten alle sehr konditionsstark sein.
Unterwegs auf der Staatsgrenze
Schon kurz nach dem Parkplatz wandert ihr unmittelbar an der deutsch-tschechischen Grenze. Alte Grenzsteine stehen zwischen Heidelbeersträuchern und jungen Fichten. Manchmal verläuft der Pfad auf deutscher, wenige Schritte später auf tschechischer Seite. Für Kinder ist das ein schönes Spiel: Wer entdeckt den nächsten Stein, welche Buchstaben stehen darauf, und in welchem Land befinden wir uns gerade?
Unterwegs passiert ihr den Bayerischen Plöckenstein. Das Gipfelkreuz und die Granitfelsen bieten eine gute Stelle für die erste Pause. Unterhalb liegt das Steinerne Meer, ein Hang voller großer Blöcke. Die Felsen entstanden nicht durch einen Bergsturz, sondern wurden über sehr lange Zeit durch Frost und Verwitterung aus dem Granit gelöst.
Der Wald wirkt stellenweise offen und rau. Viele alte Fichten starben nach Stürmen und Borkenkäferbefall ab, zwischen ihnen wächst jedoch längst eine neue Waldgeneration. Von Jahr zu Jahr wird deutlicher, wie sich die Hochlagen ohne flächige Aufforstung erneuern. Bleibt auf dem Weg: Die Flächen sind empfindlich und zugleich wichtiger Lebensraum für Auerhuhn und andere seltene Tiere.
Am Dreiländerstein
Am Ziel stehen mehrere Grenzzeichen dicht beieinander. Der markante Stein trägt Hinweise auf die drei angrenzenden Staaten; daneben befindet sich der historische Grenzstein Nummer 17. Ihr könnt tatsächlich um den Punkt herumgehen und innerhalb weniger Sekunden dreimal die Staatsgrenze überschreiten.
Der Platz ist eher weit als aussichtsreich. Erwartet keinen freistehenden Gipfel mit Alpenpanorama, sondern eine ruhige Lichtung im Bergwald. Gerade hier entsteht die besondere Atmosphäre: Heute gehen Familien ohne Kontrolle von Land zu Land. Noch vor wenigen Jahrzehnten lag die tschechische Seite hinter dem Eisernen Vorhang und war für normale Besucher praktisch unerreichbar.
Für Kinder wird Geschichte dadurch greifbarer als in einem Museum. Erzählt ihnen, dass diese unscheinbare Waldgrenze Europa über Jahrzehnte in zwei politische Welten teilte. Nach 1989 verschwanden Zäune und Wachtposten; heute verbinden Wanderwege wieder die Regionen, die geografisch immer Nachbarn waren.
Was Kinder an der Tour mögen
Das sichtbare Ziel funktioniert wunderbar: drei Länder an einem Punkt sind leichter zu begreifen als eine gewöhnliche Höhenangabe. Dazu kommen Grenzsteine, Felsen und kleine Pfade. Trotzdem ist die Strecke lang genug, dass Kinder bereits wandern können sollten. Ab etwa zehn Jahren ist sie mit regelmäßigen Pausen gut zu schaffen.
Für Kinderwagen ist der Grenzsteig nicht geeignet. Mit kleineren Kindern wäre eine Trage notwendig, doch über mehrere Stunden wird das für die Erwachsenen anstrengend. Hunde dürfen mit, müssen im Schutzgebiet aber an kurzer Leine bleiben. Zwischen Felsen und Wurzeln sollte der Hund trittsicher sein.
Proviant, Einkehr und Toiletten
Am Trojmezí selbst gibt es weder Hütte noch Toilette oder Trinkwasser. Nehmt deshalb ausreichend Getränke, eine kräftige Brotzeit und eine kleine Energiereserve mit. Bei acht Personen ist ein gut verteilter Gruppenproviant angenehmer als ein überfüllter Rucksack. Alles, was ihr hinauftragt, nehmt ihr auch wieder mit zurück.
Am Startpunkt liegt der Berggasthof Dreisessel. Aktuell ist er montags bis donnerstags und sonntags von 9 bis 17 Uhr, freitags und samstags von 9 bis 20 Uhr geöffnet; bei schlechtem Wetter kann der Betrieb geschlossen bleiben. Prüft die Angaben vor der Fahrt. Für Gruppen ab sechs Personen ist eine Reservierung sinnvoll. Dort findet ihr auch die verlässlichste Toilette des Ausflugs.
Feste Schuhe mit griffiger Sohle sind unverzichtbar. Packt eine warme Schicht sowie Wind- und Regenschutz ein. Auf dem Hochkamm kann es selbst im Sommer deutlich kühler sein als am Lipno-Stausee. Eine Offline-Wanderkarte und geladene Telefone gehören ebenfalls dazu, auch wenn die Markierung bei guter Sicht leicht zu verfolgen ist.
Wetter, Saison und Schutzregeln
Die beste Zeit liegt zwischen spätem Frühling und Herbst. Nach Regen werden die Granitplatten rutschig, bei Nebel verliert ihr die Fernsicht und die Orientierung wird schwieriger. Bei Gewittergefahr verschiebt ihr die Tour besser. Im Herbst sind klare Tage besonders schön, aber das Tageslicht wird früh knapp.
Wegen des Auerhuhns sind einzelne Wege am Dreisesselmassiv saisonal gesperrt, insbesondere der Abschnitt Habergrasberg–Hochstein vom 1. April bis 14. Juli. Der direkte Grenzsteig vom Dreisesselparkplatz zum Dreiländereck bleibt normalerweise begehbar, aktuelle Hinweise vor Ort und der Schutzgebietsverwaltungen haben jedoch immer Vorrang.
Da ihr euch zwischen drei Staaten bewegt, nehmt Personalausweise oder Reisepässe mit. Auf den markierten Wegen sind Grenzübertritte grundsätzlich unkompliziert. Verlasst die Route trotzdem nicht – nicht wegen der Grenze, sondern zum Schutz der Natur.
Unser Fazit
Das Trojmezí ist kein Ziel mit spektakulärer Infrastruktur. Seine Stärke ist die Kombination aus guter Wanderung, stiller Berglandschaft und einer Geschichte, die ihr direkt unter den Füßen spürt. Für uns gehört der Grenzpunkt zu den Orten, die das Dreiländereck rund um Lipno am besten erklären.
Wer gern wandert, sollte diesen Ausflug unbedingt einplanen. Am Ende habt ihr nicht nur drei Länder besucht, sondern einen ganzen Tag lang den gemeinsamen Böhmerwald erlebt. Genau deshalb würden wir die Tour aktiven Familien und Freunden ohne Zögern empfehlen.