Drei steinerne Sessel über dem Wald
Der Dreisesselberg ist einer jener Orte, die schon auf den ersten Blick anders wirken. Gewaltige Granitblöcke liegen übereinander, als hätte sie jemand zu riesigen Sesseln aufgeschichtet. Dazwischen führen schmale Wege und Steinstufen zu Aussichtspunkten, von denen ihr über den Bayerischen Wald, den Böhmerwald und bei klarer Luft bis zu den Alpen schaut.
Für uns gehört der Dreisessel zu den schönsten Zielen im Dreiländereck. Er bietet etwas, das Familien besonders entgegenkommt: Ihr könnt direkt unterhalb des Gipfelbereichs parken und eine kurze, erlebnisreiche Runde gehen – oder daraus eine richtige Tageswanderung über den Grenzkamm machen. So finden sowohl Kinder als auch eine sportliche Freundesgruppe ihren passenden Ausflug.
Vom Parkplatz direkt in die Felsenwelt
Die Dreisesselstraße führt auf deutscher Seite bis zum großen, gebührenpflichtigen Wanderparkplatz am Berggasthof. Von Lipno fahrt ihr je nach Route durch Österreich oder über den Grenzübergang nach Bayern. Nehmt deshalb für alle Mitreisenden gültige Ausweispapiere mit und prüft vorab die aktuelle Navigation; kleine Grenzstraßen sind nicht zu jeder Jahreszeit gleich gut befahrbar.
Vom Parkplatz erreicht ihr den eigentlichen Dreisesselfelsen in wenigen Minuten. Die letzten Meter führen über steinerne Stufen und zwischen hohen Granitwänden hindurch. Gerade Kinder lieben diesen Abschnitt, weil er sich eher wie eine kleine Entdeckungstour als wie eine klassische Wanderung anfühlt. Oben ist der Platz begrenzt und bei feuchtem Wetter rutschig. Jüngere Kinder gehören daher an die Hand, Hunde an eine kurze Leine.
Der Name geht auf drei auffällige Felsmulden zurück, die wie Sitze aussehen. Eine Sage erzählt, dass hier einst die Herrscher von Bayern, Böhmen und Österreich über ihre Grenzen berieten. Historisch ist diese Versammlung nicht belegt, doch die Geschichte passt wunderbar zu einem Berg, auf dem drei Länder und Kulturlandschaften unmittelbar zusammenkommen.
Hochstein und Bischof-Neumann-Kapelle
Nach dem Dreisesselfelsen solltet ihr nicht sofort umdrehen. Ein kurzer Weg führt zum Hochstein, mit rund 1.333 Metern der höchsten Felsgruppe des Dreisesselbergs. Am Gipfelkreuz öffnet sich bei gutem Wetter eine weite Aussicht nach Süden. Die typische Wollsackverwitterung des Granits ist hier besonders gut zu erkennen: Frost, Wasser und Zeit haben die Felsen abgerundet, sodass sie wie übereinandergestapelte Kissen wirken.
Unterwegs liegt die kleine Bischof-Neumann-Kapelle. Sie erinnert an Johann Nepomuk Neumann, der im nahen Prachatice geboren wurde, als Missionar in die USA ging und später Bischof von Philadelphia wurde. Die Kapelle ist ein stiller Kontrast zu den mächtigen Felsen und ein guter Ort für eine kurze Pause.
Eine familienfreundliche Runde mit Dreisesselfelsen, Hochstein und Berggasthof lässt sich je nach Pausen in zwei bis drei Stunden gehen. Der Weg ist kurz, aber steinig. Ein Kinderwagen ist im Gipfelbereich nicht sinnvoll; für kleine Kinder nehmen wir lieber eine Trage. Mit trittsicheren Schulkindern ist die Runde dagegen sehr gut machbar.
Die große Variante zum Dreiländereck
Wenn ihr einen echten Wandertag plant, folgt ihr vom Dreisessel dem Grenzsteig über den Bayerischen Plöckenstein in Richtung Dreiländereck. Der Weg verläuft unmittelbar an der deutsch-tschechischen Grenze durch eine wilde Hochlagenlandschaft. Granitblöcke, niedrige Bergvegetation und junge Bäume wechseln sich ab. Das Steinerne Meer ist ein besonders eindrucksvoller Abschnitt: Tausende Felsblöcke bedecken den Hang wie ein erstarrter Strom.
Bis zum Dreiländerstein, an dem Deutschland, Tschechien und Österreich zusammentreffen, und zurück kommen je nach gewählter Verbindung ungefähr sieben bis neun Kilometer zusammen. Der Höhenunterschied ist nicht riesig, doch der Untergrund kostet Zeit. Wurzeln, nasse Steine und schmale Passagen verlangen Konzentration. Rechnet mit drei bis vier Stunden Gehzeit zusätzlich zu euren Pausen.
Diese Variante empfehlen wir wandererfahrenen Kindern ab etwa acht Jahren. Wer noch weiter bis zum tschechischen Plechý gehen möchte, verlängert die Tour deutlich; dann wird aus dem Familienausflug eine anspruchsvolle Tagestour. Den Plechý haben wir deshalb als eigenen Wandertipp beschrieben.
Ein Wald, der sich sichtbar verändert
Am Dreisessel fallen viele abgestorbene ältere Fichten auf. Stürme, Borkenkäfer und die extremen Bedingungen am Berg haben das Landschaftsbild stark verändert. Gleichzeitig wächst zwischen den hellen Stämmen bereits ein neuer, vielfältiger Wald. Das Gebiet ist kein „kaputter Wald“, sondern eine Landschaft im Übergang. Gerade vom Hochstein erkennt ihr, wie weit die natürliche Erneuerung fortgeschritten ist.
Teile des Kamms sind wichtige Rückzugsräume für das seltene Auerhuhn. Deshalb ist der Wanderweg zwischen Habergrasberg und Hochstein jedes Jahr vom 1. April bis 14. Juli gesperrt. Die kurze Route vom Dreisesselparkplatz zu den Gipfelfelsen bleibt davon normalerweise unberührt; bei längeren Touren müsst ihr die aktuelle Wegführung beachten. Bleibt immer auf markierten Wegen und respektiert Absperrungen.
Einkehr, Toiletten und Ausrüstung
Direkt am Parkplatz liegt der Berggasthof Dreisessel. Nach aktuellem Stand öffnet er montags bis donnerstags sowie sonntags von 9 bis 17 Uhr, freitags und samstags von 9 bis 20 Uhr. Bei schlechtem Wetter kann geschlossen bleiben. Prüft die Angaben vor der Fahrt auf der Website des Gasthofs, besonders außerhalb der Hauptsaison. Für Gruppen ab sechs Personen wird eine Reservierung empfohlen – bei zwei Familien seid ihr schnell genau in dieser Größenordnung.
Mit Gasthof und Toiletten am Ausgangspunkt ist der Dreisessel komfortabler als viele andere Bergziele. Auf dem Grenzkamm gibt es jedoch keine verlässliche Versorgung. Für die lange Variante gehören Getränke, Brotzeit und etwas Energiereserve in den Rucksack. Feste Wanderschuhe sind auch für die kurze Runde sinnvoll. Dazu kommen Wind- und Regenschutz, denn das Wetter auf über 1.300 Metern wechselt schneller als unten am Lipno-See.
Hunde sind auf den Wegen willkommen, sollten aber wegen Wildtieren, Felskanten und anderer Wanderer an kurzer Leine bleiben. Nach Regen können die Granitplatten sehr glatt sein. Bei Nebel verliert die Landschaft zwar nicht ihre besondere Stimmung, die Orientierung am Kamm wird jedoch schwieriger und die Fernsicht fällt aus.
Wann lohnt sich der Ausflug besonders?
Die beste Zeit reicht vom späten Frühling bis in den Herbst. Im Frühsommer ist das Grün frisch, im Herbst ist die Sicht häufig besonders klar. An sonnigen Wochenenden wird es rund um die Gipfelfelsen lebhaft. Wer die stille Seite des Berges erleben möchte, kommt früh am Vormittag oder an einem Werktag.
Für eine Familie, die nicht den ganzen Tag wandern will, ist der Dreisessel auch ein guter Ausflug nach einem gemütlichen Frühstück: kurze Fahrt, spannende Felsen, Aussicht und anschließend eine warme Mahlzeit. Für aktive Gäste wird derselbe Ausgangspunkt zum Start einer grenzüberschreitenden Kammwanderung. Diese Vielseitigkeit macht den Berg so wertvoll.
Unser Fazit
Für uns ist der Dreisesselberg ein Muss im Dreiländereck. Kaum ein anderer Gipfel verbindet spektakuläre Felsen, leichte Erreichbarkeit und echtes Wandergefühl so überzeugend. Kinder bekommen schon nach wenigen Minuten ein sichtbares Ziel, während ambitionierte Wanderer auf dem Grenzsteig stundenlang weitergehen können.
Wenn das Wetter klar ist, würden wir diesen Ort jedem Urlauber rund um Lipno ohne Zögern empfehlen. Plant genug Zeit zum Klettern, Schauen und Staunen ein. Die drei steinernen Sessel, das raue Granitmeer und das Gefühl, zwischen drei Ländern unterwegs zu sein, bleiben lange in Erinnerung.