Moldaublick: Aussichtsturm mit Blick über den Lipno-See

Moldaublick: Aussichtsturm mit Blick über den Lipno-See

137 Stufen zu einer der schönsten Aussichten auf den Lipno-Stausee – mit kurzer Waldwanderung, Jausenstation und besonderer Grenzgeschichte.

  • Umkreis: 15-25 km
  • Entfernung (km): 21 km
  • Gesamtdauer inkl. Anreise: 4–6 Stunden
  • ★★★★★
  • Frühling, Sommer, Herbst
  • Österreich
  • Ausflug
  • Hunde erlaubt

Der schönste Blick zurück auf den Lipno-See

Der Aussichtsturm Moldaublick steht auf österreichischer Seite des Böhmerwaldes, schaut aber genau dorthin zurück, wo ihr euren Urlaub verbringt: über die Wälder zum Lipno-Stausee und weiter bis nach Horní Planá, dem Geburtsort Adalbert Stifters. Dieser Perspektivwechsel macht den Ausflug besonders. Vom Ufer wirkt Lipno oft wie ein langer See; von der Plattform erkennt ihr erst, wie weit sich das Wasser zwischen Inseln, Buchten und bewaldeten Höhen hindurchzieht.

Für uns gehört der Moldaublick zu den schönsten Aussichtszielen rund um Lipno. Die Anfahrt ist kurz genug für einen halben Tag, lässt sich aber problemlos mit einer Waldwanderung oder einer Einkehr verlängern. Familien mit Kindern ab etwa sechs Jahren schaffen die 137 Stufen meist gut. Oben sollte allerdings niemand unter starker Höhenangst leiden: Der Turm ist eine offene Stahlkonstruktion, und Wind sowie der Blick durch die Stufen können empfindliche Besucher verunsichern.

Anfahrt nach Schöneben

Von der Unterkunft sind es ungefähr 21 Kilometer bis in die Gegend von Schöneben bei Ulrichsberg. Ihr überquert die österreichische Grenze und fahrt durch eine ruhige, waldreiche Landschaft. Für die Navigation eignet sich das Ziel „Aussichtsturm Moldaublick“ oder „Böhmerwaldarena Schöneben“. Je nach gewünschter Gehstrecke könnt ihr näher am Turm parken oder am Parkplatz der Böhmerwaldarena starten.

Die schönere Variante beginnt für uns an der Böhmerwaldarena. Von dort führt ein ungefähr zwei Kilometer langer Wanderweg durch den Wald zum Turm. Die Strecke ist leicht, aber nicht vollständig eben. Plant mit Kindern rund 45 Minuten pro Richtung ein, weil unterwegs meist mehr entdeckt und pausiert wird als auf der Karte vermutet. Wer wenig Zeit hat oder nicht weit laufen kann, erreicht über die Zufahrtsstraße auch einen näher gelegenen Parkplatz. Aktuelle Verkehrsregelungen vor Ort haben immer Vorrang.

Ein normaler Kinderwagen ist für die Waldvariante nicht ideal. Mit einem geländegängigen Modell können manche Familien zurechtkommen, wir würden bei kleinen Kindern aber eher eine Trage wählen. Der Turm selbst ist ausschließlich über Treppen zugänglich und nicht barrierefrei. Hunde dürfen auf die Wanderwege mit, sollten im Wald an der Leine bleiben. Ob ihr sie auf die offene Metalltreppe mitnehmen möchtet, hängt stark vom Tier ab; viele Hunde fühlen sich auf Gitterstufen unwohl.

137 Stufen über den Baumwipfeln

Der Moldaublick ist 24 Meter hoch und wurde 1967 errichtet, die Fertigstellung erfolgte 1968. Seine schlanke Stahlform verrät die ungewöhnliche Herkunft: Die Konstruktion diente zuvor als Ölbohrturm im niederösterreichischen Gänserndorf. Nachdem ein Sturm in den 1950er-Jahren den Wald am Sulzberg geöffnet hatte, war von hier aus plötzlich der Blick nach Böhmen frei. Als die Bäume wieder höher wurden, entschied sich die Gemeinde für einen Aussichtsturm.

Der Aufstieg über 137 Stufen dauert nicht lange, sollte aber ohne Eile erfolgen. Lasst zwischen Familienmitgliedern etwas Abstand, haltet kleine Kinder dicht bei euch und nehmt lose Mützen bei Wind besser ab. Auf der Plattform angekommen, lohnt sich zunächst eine volle Runde, bevor ihr mit Karte oder Fernglas einzelne Ziele sucht. Der Lipno-Stausee liegt breit im Norden, dahinter steigen die Höhen der Šumava auf. Bei klarer Sicht erkennt ihr die Gegend um Horní Planá und weit gestaffelte Waldhorizonte.

Besonders eindrucksvoll ist der Blick für Gäste, die bereits mehrere Tage am See verbracht haben. Ihr könnt versuchen, bekannte Buchten, Halbinseln oder Orte wiederzufinden. Das fest montierte Fernrohr hilft dabei, und die Übersichtstafeln erleichtern die Orientierung. Kinder haben oft großen Spaß daran, „ihr“ Lipno von oben zu suchen. Nehmt euch dafür Zeit; nach dem kurzen Aufstieg wäre es schade, nur ein Foto zu machen und sofort wieder hinunterzugehen.

Wann die Aussicht am besten ist

Fernblick hängt stärker von der Luft als vom Sonnenschein ab. Nach einer Kaltfront, an einem klaren Frühlingsmorgen oder im trockenen Herbst ist die Sicht häufig besser als an einem heißen, dunstigen Sommertag. Am Vormittag liegt das Licht oft angenehm über dem Stausee. Später kann die Sonne je nach Jahreszeit stärker von vorn kommen. Wenn euch Fotos wichtig sind, schaut neben der Regenwahrscheinlichkeit auch auf Bewölkung, Sichtweite und Wind.

Bei Gewitter, Sturm, Eis oder starkem Nebel gehört ihr nicht auf eine offene Metallkonstruktion. Das klingt selbstverständlich, wird aber bei einer langen Anfahrt gern verdrängt. Der Turm ist saisonal zugänglich; verschiedene aktuelle Informationsseiten nennen je nach Schneelage ungefähr den Zeitraum von Frühjahr bis November, traditionell häufig Mai bis Oktober. Prüft deshalb vor der Fahrt die offizielle Seite der Gemeinde Ulrichsberg, besonders in April und November.

Für den Turm wird ein kleiner Eintritt erhoben. Der aktuell veröffentlichte Richtwert liegt bei etwa zwei Euro für Erwachsene und einem Euro für Kinder. Nehmt Münzen und etwas Bargeld mit, da Kartenzahlung an kleinen Ausflugszielen nicht immer selbstverständlich ist. Preise können sich ändern; maßgeblich sind die Angaben vor Ort.

Jause am Fuß des Turms

Direkt beim Moldaublick befindet sich eine Jausenstation. Nach der Wanderung sind eine Suppe, ein Getränk oder eine österreichische Brotzeit genau das Richtige. Die Gemeinde nennt für die Saison grundsätzlich Öffnungszeiten von Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen, meist tagsüber. Andere aktuelle Verzeichnisse führen teilweise abweichende Stunden. Wenn die Einkehr ein wichtiger Teil eures Ausflugs ist, ruft vorher an oder kontrolliert den aktuellen Eintrag, statt euch ausschließlich darauf zu verlassen.

Die Jausenstation ist auch die naheliegendste Möglichkeit für Toiletten während der Öffnungszeit. Außerhalb davon gibt es am Waldweg keine verlässliche Infrastruktur. Packt daher Getränke und eine kleine Zwischenmahlzeit ein, besonders mit Kindern. Im Wald ist es auch an warmen Tagen schattig; auf der Plattform dagegen seid ihr Sonne und Wind vollständig ausgesetzt. Eine leichte Jacke und Sonnenschutz passen deshalb gleichzeitig in den Rucksack.

Aus dem Aussichtspunkt eine kleine Wanderung machen

Wer nach dem Turm noch laufen möchte, findet rund um Schöneben ein dichtes Netz markierter Wege. Eine unkomplizierte Lösung ist der Rückweg auf derselben Strecke zur Böhmerwaldarena. Für wanderfreudige Gruppen lässt sich der Moldaublick mit dem Sulzberg, dem Aussichtsturm Alpenblick oder einer längeren Runde durch den österreichischen Böhmerwald verbinden. Der Alpenblick schaut – wie der Name verrät – in die andere Richtung über das Mühlviertel und bei guter Sicht bis zu den Alpen.

Mit Kindern würden wir lieber eine überschaubare Runde wählen, statt beide Türme um jeden Preis zu verbinden. Die 137 Stufen sind bereits ein kleines Abenteuer, und der Wald bietet genug Raum zum Entdecken. Plant insgesamt vier bis sechs Stunden einschließlich Fahrt, Aufstieg, Aussicht, Pause und einer kurzen Wanderung. Damit bleibt der Tag entspannt und ihr könnt bei schlechtem Fernblick spontan früher zurückfahren.

Ein Turm mit besonderer Bedeutung

Der Moldaublick entstand nicht nur als touristische Attraktion. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebten viele aus Böhmen vertriebene Menschen in Oberösterreich. Vom Sulzberg konnten sie über die damals streng bewachte Grenze in ihre frühere Heimat schauen. Der Turm gab diesem Blick einen festen Ort. Heute erscheint die offene Grenze selbstverständlich, doch die Aussicht über Lipno trägt noch immer diese historische Ebene.

Wenn ihr zuvor Bučina oder andere Orte am ehemaligen Eisernen Vorhang besucht habt, fügt sich der Moldaublick besonders gut in den Urlaub ein. Auf tschechischer Seite seht ihr die Spuren verschwundener Dörfer; hier blickt ihr aus jener Richtung zurück, in der viele Vertriebene ein neues Zuhause fanden. Die Geschichte muss man Kindern nicht in allen Details erklären. Schon die Vorstellung, dass Menschen den nahen See jahrzehntelang nur aus der Ferne sehen konnten, ist eindrücklich.

Unsere Empfehlung

Der Moldaublick ist ein einfacher Ausflug mit großer Wirkung. Die Wanderung ist kurz, der Eintritt niedrig und die Aussicht unmittelbar mit eurem Urlaubsort verbunden. Für uns ist genau das die Stärke: Ihr besucht nicht irgendeinen Aussichtsturm, sondern schaut von Österreich über den Böhmerwald auf den Lipno-Stausee zurück.

Wählt einen klaren, möglichst wenig windigen Tag, nehmt Fernglas und Münzen mit und plant genug Zeit auf der Plattform ein. Wenn der See unter euch silbrig zwischen den dunklen Wäldern liegt, versteht ihr sofort, warum wir diesen Ort jedem Lipno-Urlauber ohne Zögern empfehlen.

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