Ein Moor, das wieder lebendig wird
Das Soumarské rašeliniště, auf Deutsch Säumermoor, gehört für uns zu den eindrucksvollsten kurzen Naturausflügen im Böhmerwald. Schon wenige Minuten hinter Soumarský Most verändert sich die Landschaft: Der Wald öffnet sich, zwischen Wollgras und niedrigen Birken glänzt dunkles Wasser, und ein schmaler Holzsteg führt mitten in eine Welt, die zugleich rau und erstaunlich empfindlich wirkt.
Für Familien ist das ein besonders schöner Ausflug, weil man ohne lange Bergwanderung sehr viel erlebt. Kinder balancieren gern über die Bohlen, entdecken Wasserflächen, Insekten und Tierspuren, während Erwachsene die ungewöhnliche Weite genießen. Diesen Ort würden wir Urlaubern am Lipno-See ohne Zögern empfehlen – allerdings nur nach einem kurzen aktuellen Zugangscheck, denn einzelne Anlagen können aus technischen oder naturschutzfachlichen Gründen gesperrt sein.
Wichtiger aktueller Hinweis für 2026
Die Nationalparkverwaltung weist im Sommer 2026 ausdrücklich darauf hin, dass der Aussichtspunkt beziehungsweise Aussichtsturm geschlossen ist. Vor Ort gab es außerdem Hinweise auf einen schlechten technischen Zustand einzelner Bereiche. Prüft deshalb am Morgen eures Ausflugs die aktuelle Meldung der Nationalparkverwaltung oder fragt am Registrierungs- und Informationspunkt Soumarský Most nach. Absperrungen sind unbedingt zu respektieren; sie schützen euch und das empfindliche Moor.
Auch wenn der Turm nicht zugänglich ist, lohnt sich die Umgebung. Vom erlaubten Teil der Strecke, von den Wegen an der Moldau und rund um den Ausgangspunkt bekommt ihr bereits einen guten Eindruck dieser besonderen Auen- und Moorlandschaft. Plant flexibel und verbindet den Besuch bei Bedarf mit Dobrá oder Stožec.
Start am Soumarský Most
Von unserem Ferienhaus sind es ungefähr 24 Kilometer bis Soumarský Most. Oberhalb der Straße gibt es laut Nationalparkverwaltung einen kostenlosen Parkplatz. Der Ausgangspunkt ist außerdem gut mit der Bahn erreichbar; der Bahnhof Soumarský Most liegt nur wenige Gehminuten entfernt. Am Registrierungsplatz findet ihr in der Saison Informationen, öffentliche Toiletten und in der Umgebung auch einen Gasthof, einen Campingplatz sowie ein kleines Kinderspielangebot.
Das Informations- und Registrierungsbüro ist 2026 von Juni bis Oktober täglich von 8 bis 16 Uhr geöffnet, im Mai freitags, samstags, sonntags und an Feiertagen. Außerhalb dieser Zeiten solltet ihr euch nicht auf geöffnete Toiletten oder Beratung verlassen. Nehmt deshalb Wasser und eine kleine Brotzeit mit.
So verläuft der kurze Moorweg
Der bekannte Rundgang ist etwa 2,5 Kilometer lang, nahezu eben und normalerweise in ungefähr zwei Stunden sehr entspannt zu schaffen. Die reine Gehzeit ist kürzer; mit Kindern, Fotopausen und den Informationstafeln vergeht die Zeit aber schnell. Teile führen über feste Pfade, andere über schmale Bohlenwege direkt durch nasse Moorbereiche. Sieben Stationen erklären, warum Torf Wasser speichert, wie hier früher abgebaut wurde und wie die Natur nach der Entwässerung zurückkehrt.
Im trockenen Zustand ist der zugängliche Teil auch mit einem robusten Kinderwagen machbar, vollständig barrierefrei ist er jedoch nicht. Die Stege sind schmal, Wurzeln erschweren Verbindungswege, und nach Regen kann es rutschig werden. Mit einem breiten Zwillingswagen würden wir die Strecke nicht empfehlen. Wenn der Weg bis zum Turm wieder freigegeben ist, müssen Kinderwagen und Rollstuhl dort normalerweise auf demselben Weg zurück, weil der anschließende Abschnitt schwieriger ist.
Warum diese Landschaft so ungewöhnlich aussieht
Das Moor umfasst rund 85 Hektar und gehört zum Vltavský luh, dem weiten Feuchtgebiet entlang der oberen Moldau. Torf wurde hier zunächst von Hand gestochen, später industriell abgebaut. Dabei entwässerte man große Flächen. Um das Jahr 2000 endete der Abbau, anschließend begann die Renaturierung: Gräben wurden verschlossen, Wasser blieb wieder in der Landschaft, und typische Moorpflanzen kehrten zurück.
Genau dieser Prozess macht den Spaziergang spannend. Ihr seht kein unberührtes Bilderbuchmoor, sondern eine Landschaft in Heilung. Zwischen dunklen Tümpeln wachsen Torfmoose, Seggen und Wollgras; abgestorbene Birkenstämme stehen wie helle Skulpturen im Gelände. Bei ruhigem Wetter spiegeln sich Himmel und Waldrand im Wasser – ein Motiv, das selbst Kinder für einen Moment still werden lässt.
Tiere beobachten, ohne sie zu stören
Das Gebiet ist Lebensraum seltener Schmetterlinge und des stark gefährdeten Birkhuhns. Gerade deshalb bleibt ihr immer auf den freigegebenen Wegen. Hunde gehören an eine kurze Leine, auch wenn sie sonst zuverlässig hören. Wer früh am Vormittag kommt und leise unterwegs ist, nimmt mehr Vogelstimmen wahr und erlebt das Moor meist ohne größere Gruppen.
In den Wasserflächen und am Ufer entdeckt ihr oft mehr, wenn ihr nicht hastig weitergeht. Ein kleines Fernglas ist für Kinder ebenso spannend wie eine Lupe. Tiere werden weder gefüttert noch angefasst, Pflanzen und Torf bleiben selbstverständlich dort, wo sie sind.
Was ihr mit Kindern beachten solltet
Die Bohlenwege haben nicht überall ein Geländer. Kleine Kinder sollten deshalb in eurer Nähe bleiben und an engen Stellen an die Hand. Im Moor kann Wasser direkt neben dem Steg tief und der Untergrund unberechenbar sein. Feste Schuhe mit griffiger Sohle sind auch bei trockenem Wetter besser als Sandalen.
Nehmt im Sommer Sonnenschutz, Kopfbedeckung, Trinkwasser und Insektenschutz mit. Auf der offenen Moorfläche gibt es wenig Schatten, gleichzeitig kann es im Böhmerwald schnell kühl und windig werden. Nach Regen helfen wasserdichte Schuhe und eine leichte Regenjacke. Bei Gewitter, Sturm oder starkem Dauerregen ist dies kein sinnvoller Ausflug.
Die beste Zeit für euren Besuch
Die sensible Strecke ist traditionell nur in der wärmeren Jahreshälfte zugänglich; aktuelle Angaben und Sperrungen haben immer Vorrang. Besonders schön sind klare Vormittage, wenn das Licht flach über das Wollgras fällt, sowie der frühe Herbst mit warmen Farben und stillen Wasserflächen. In Ferienwochen lohnt sich ein früher Start, bevor Besucher und Ausflügler vom Campingplatz unterwegs sind.
Für den kompletten Ausflug ab Lipno solltet ihr vier bis sechs Stunden einschließlich Fahrt und Pausen rechnen. Wenn ein Teil gesperrt ist, bleibt Zeit für einen Spaziergang entlang der Moldau oder für das nahe Dorf Dobrá mit seinen historischen Böhmerwaldhäusern.
Unser Fazit
Das Soumarské Moor zeigt auf engem Raum, was den Böhmerwald so besonders macht: Wasser, Stille, eine herbe Landschaft und Natur, die sich nach menschlichen Eingriffen langsam ihren Platz zurückholt. Der Weg ist kurz genug für Familien, aber interessant genug für Erwachsene und eine Freundesgruppe.
Für uns gehört dieser Ausflug zu den schönsten rund um den Lipno-Stausee. Fahrt jedoch nicht blind nach alten Beschreibungen los: Prüft wegen der aktuellen technischen Sperrung zuerst den Zugang, bleibt auf den geöffneten Wegen und nehmt euch dann Zeit. Gerade hier liegt die Qualität nicht in vielen Programmpunkten, sondern in den kleinen Beobachtungen zwischen Wasser, Moorgras und weitem Himmel.