Hochficht im Sommer: Wandern über dem Böhmerwald
Im Winter kennt man den Hochficht vor allem als Skigebiet. Sobald der Schnee verschwunden ist, wird es rund um den 1.338 Meter hohen Grenzberg deutlich ruhiger – und genau dann lohnt sich die Fahrt besonders für alle, die einen richtigen Wandertag im Böhmerwald verbringen möchten. Statt Liftbetrieb und Pistentrubel erwarten Sie schattige Waldwege, markante Felsen, mehrere Gipfel und immer wieder überraschend weite Ausblicke über das Mühlviertel und hinüber nach Tschechien.
Von Lipno aus ist der Hochficht gut als Tagesausflug erreichbar. Die Fahrt führt durch eine stille, dünn besiedelte Landschaft, und schon die Anreise macht deutlich, dass Sie heute nicht zu einer klassischen Sehenswürdigkeit, sondern mitten in die Berge fahren. Für Familien mit wandererprobten Kindern ab etwa acht Jahren ebenso wie für eine Gruppe von Freunden ist die große Gipfelrunde eine schöne Mischung aus Bewegung, Natur und gemeinsamen Pausen. Wer mit kleineren Kindern unterwegs ist, findet seit Sommer 2026 außerdem eine kurze, spielerische Alternative.
Die große Runde über vier aussichtsreiche Punkte
Als Ausgangspunkt eignet sich der Bereich Holzschlag bei der Skiarena Hochficht. Von dort führt der sogenannte Gipfel-Ge(h)nussweg über den Stinglfelsen, den Hochficht, den Schönbergfelsen und den Reischlberg. Je nach gewählter Verbindung und kleinen Abstechern kommen ungefähr zwölf bis dreizehn Kilometer und rund 400 bis 500 Höhenmeter zusammen. Planen Sie dafür mindestens vier bis fünf Stunden reine Gehzeit ein. Mit Kindern, Fotopausen und einer gemütlichen Einkehr wird daraus ohne Mühe ein voller Ausflugstag.
Der Weg verläuft zu einem großen Teil auf Waldpfaden, dazwischen auf breiteren Forstwegen. Das macht die Tour abwechslungsreich: Auf den ruhigeren Abschnitten können Sie gut nebeneinander gehen, an den felsigen Stellen sind Aufmerksamkeit und feste Schuhe gefragt. Einen spektakulären alpinen Steig sollten Sie nicht erwarten. Gerade die Mischung aus dichtem Bergwald, Granitblöcken und offenen Gipfelbereichen vermittelt aber sehr schön den Charakter des Böhmerwaldes.
Ein besonders schöner Halt ist der Stinglfelsen. Der Granitfelsen liegt etwas niedriger als der Hochficht, wirkt durch sein Gipfelkreuz und die freie Lage jedoch ausgesprochen bergig. Hier lohnt sich eine längere Pause, bevor es weiter zum höchsten Punkt geht. Der Gipfel des Hochfichts selbst ist eher still und naturbelassen als inszeniert. Das gefällt uns an dieser Tour: Es gibt kein großes Besucherzentrum und keine künstliche Attraktion, sondern das gute Gefühl, sich den Ausblick wirklich erwandert zu haben.
Grenzlandschaft mit wechselnden Perspektiven
Der Hochficht liegt unmittelbar an der österreichisch-tschechischen Grenze. Auf einigen Routen wechseln Sie die Seite, ohne dass die Landschaft einen sichtbaren Schnitt macht. Dennoch gehört ein Personalausweis oder Reisepass unbedingt in den Rucksack. Für Kinder ist dieser unspektakuläre Grenzübertritt oft erstaunlich spannend: Ein paar Schritte, und schon stehen Sie in einem anderen Land.
Bei klarer Sicht öffnen sich zwischen den Bäumen Blicke über die Höhenzüge des Böhmerwaldes, das Mühlviertel und in Richtung Südböhmen. Die Fernsicht ist nicht an jedem Punkt gleich gut, denn der Wald gehört hier zum Erlebnis. Umso wirkungsvoller sind die offenen Stellen. An warmen Tagen spendet der Wald lange Schatten, auf den Gipfeln kann dagegen selbst im Hochsommer ein kühler Wind wehen. Eine leichte Jacke ist deshalb sinnvoll.
Mit Kindern: lieber passende Runde als falscher Ehrgeiz
Für bewegungsfreudige Schulkinder ist die Gipfelrunde ein echtes kleines Abenteuer. Felsen, Grenzsteine und schmale Pfade sorgen dafür, dass es nicht nur ums Kilometerzählen geht. Trotzdem sollte die Länge nicht unterschätzt werden. Wenn Ihre Kinder selten längere Touren gehen, wählen Sie besser eine kürzere Variante, etwa die rund acht Kilometer lange Holzschlagrunde mit ungefähr 230 Höhenmetern. Sie vermittelt bereits viel von der Landschaft und lässt mehr Zeit für Pausen.
Für Familien mit jüngeren Kindern gibt es ab Sommer 2026 den Hochficht-Geister-Weg. Der 3,5 Kilometer lange Rundweg beginnt beim Gasthaus Zum Überleben und verbindet Wald, Tiere und Bergnatur mit Rätseln und kleinen Aufgaben. Die Illustrationen stammen von Kindern der Volksschule Klaffer, was dem Weg einen angenehm lokalen Charakter gibt. Für die leichte Runde werden etwa eineinhalb Stunden und 120 Höhenmeter angegeben; sie gilt auch als kinderwagentauglich. Allerdings ist der Untergrund teilweise geschottert oder unbefestigt, daher empfehlen wir einen geländegängigen Wagen.
Beachten Sie bei der Anfahrt zum Geister-Weg, dass die letzten rund 1,5 Kilometer ab dem Parkplatz der Skiarena über eine unbefestigte Forststraße führen. Das Gasthaus ist eine praktische Einkehrmöglichkeit, seine Öffnungstage und Zeiten sollten Sie aber vor der Abfahrt aktuell prüfen. Verlassen Sie sich bei einer längeren Tour nicht allein auf die Gastronomie, sondern nehmen Sie ausreichend Getränke und eine kräftige Jause mit.
Praktische Vorbereitung
Parken können Sie im Bereich der Skiarena Hochficht; für mehrere Wanderrouten ist der große Parkplatz an der Talstation der naheliegende Ausgangspunkt. Speichern Sie die gewünschte Route vorher offline oder nehmen Sie eine Wanderkarte mit. Im Wald ist die Orientierung zwar grundsätzlich gut möglich, an Wegkreuzungen hilft eine Karte dennoch mehr als ein schwaches Mobilfunksignal. Prüfen Sie außerdem am Morgen die offizielle Wetterlage und die Webcams. Bei Nebel und Dauerregen verliert die Tour viel von ihrem Reiz, nasse Wurzeln und Granitplatten werden zudem schnell rutschig.
Feste Wanderschuhe, Regen- und Windschutz, Sonnencreme sowie genügend Wasser gehören in jeden Rucksack. Wanderstöcke sind auf den längeren Abstiegen angenehm, aber nicht zwingend. Hunde können auf der Runde gut mitgehen, wenn sie längere Strecken gewohnt sind; im Wald und im Grenzgebiet sollten sie zuverlässig an der Leine bleiben. Wasser für den Hund müssen Sie ebenfalls einplanen. Für einen normalen Kinderwagen ist die große Gipfelrunde ungeeignet.
Am schönsten erleben Sie den Hochficht von spätem Frühjahr bis in den Herbst. Im Mai können schattige Abschnitte noch feucht sein, im Hochsommer ist ein früher Start angenehm, und im September oder Oktober wirkt der Wald bei klarer Luft besonders stimmungsvoll. Anders als in vielen alpinen Ausflugsbergen laufen die Lifte hier im Sommer normalerweise nicht. Rechnen Sie deshalb mit einer Wanderung aus eigener Kraft und kontrollieren Sie saisonale Angebote stets vorab.
Unser Fazit
Der Hochficht im Sommer ist kein Ausflug für eine schnelle Sehenswürdigkeit zwischen zwei Programmpunkten. Er ist eine Empfehlung für Tage, an denen Sie gemeinsam draußen sein, ordentlich gehen und den stilleren Teil des Böhmerwaldes kennenlernen möchten. Die große Gipfelrunde passt zu aktiven Familien und Freunden, die sich auf einen sportlichen, aber gut machbaren Wandertag freuen. Mit der kürzeren Holzschlagrunde und dem neuen Geister-Weg lässt sich das Erlebnis zugleich an jüngere Kinder und weniger geübte Wanderer anpassen.
Gerade diese Wahlmöglichkeit macht den Hochficht zu einem guten Ziel für gemischte Gruppen: Die einen sammeln Gipfel, die anderen entdecken mit den Kindern den Wald, und später trifft man sich wieder zu einer gemeinsamen Einkehr. Wenn die Wettervorhersage klar ist und alle feste Schuhe dabeihaben, ist dies einer jener Ausflüge rund um Lipno, nach denen man angenehm müde und mit viel frischer Bergluft im Kopf zurückkommt.