Ein stiller Ort hoch über dem Lipno-See
Svatý Tomáš, auf Deutsch St. Thomas, ist kein klassisches Dorf mit Marktplatz und Geschäften. Die kleine Siedlung liegt auf ungefähr 995 Metern Höhe in den Wäldern des Böhmerwaldes und besteht nur aus wenigen Gebäuden. Genau diese Abgeschiedenheit macht den Ausflug so angenehm: Sobald Sie die Straße von Frýdava oder Přední Výtoň hinauffahren, wird es ruhiger, die Luft kühler und der Wald dichter.
Im Mittelpunkt steht die gotische Fronleichnamskirche, die oft einfach Kirche von St. Thomas genannt wird. Rundherum finden Sie alte Bäume, Wiesen, ein ehemaliges Jagdschloss und Wege in Richtung Vítkův Hrádek. Von unserem Ferienhaus sind es rund 11,5 Kilometer. Für einen entspannten Besuch der Siedlung, einen kurzen Spaziergang und eine Einkehr sollten Sie zwei bis vier Stunden einplanen.
Anfahrt: Die Reise gehört bereits zum Erlebnis
Besonders schön ist die Anreise über Frymburk. Dort setzen Sie mit der Fähre nach Frýdava über und folgen anschließend der schmalen Asphaltstraße durch den Wald hinauf nach Svatý Tomáš. Prüfen Sie vorher den aktuellen Fährplan, vor allem im Frühjahr und Herbst. Alternativ fahren Sie über Přední Výtoň; diese Strecke ist unabhängig vom Fährbetrieb erreichbar.
Die Waldstraße ist asphaltiert, stellenweise jedoch schmal. Rechnen Sie mit Radfahrern, Wanderern und gelegentlich Wild am Straßenrand. In der Siedlung gibt es Parkmöglichkeiten im Bereich der Kirche und der Gastronomie. Wenn Sie den Ausflug mit Vítkův Hrádek verbinden, nutzen Sie am besten den offiziellen kostenlosen Parkplatz etwa 400 Meter unterhalb der Burgruine. An sonnigen Wochenenden sind die Plätze schnell belegt.
Ein Spaziergang ohne festes Programm
Svatý Tomáš erlebt man am besten langsam. Beginnen Sie an der Kirche und gehen Sie eine kleine Runde zwischen den wenigen Häusern und Waldrändern. Es gibt hier keine lange Liste von Sehenswürdigkeiten, die abgearbeitet werden muss. Stattdessen hören Sie den Wind in den Baumkronen, entdecken alte Wegkreuze und spüren, wie abgelegen die Siedlung früher gewesen sein muss.
Mit kleinen Kindern reicht diese kurze Runde oft vollkommen aus. Die Wege im Kern der Siedlung sind überwiegend gut begehbar, doch Wiesen, Waldränder und unebene Abschnitte machen einen geländegängigen Kinderwagen sinnvoll. In unseren Ausflugsdaten ist die Eignung deshalb nur als teilweise angegeben. Für ein Baby ist eine Trage oft bequemer und lässt Ihnen mehr Freiheit bei spontanen Abstechern.
Die Fronleichnamskirche
Die weiß verputzte Kirche mit ihrem steilen Dach wirkt in der grünen Berglandschaft zugleich schlicht und eindrucksvoll. Sie wurde 1348 von Peter I. von Rosenberg gegründet und dem Fronleichnam geweiht. Einige historische Quellen erwähnen an dieser Stelle bereits für 1252 eine ältere Kapelle. Ihre heutige Form erhielt die Kirche vor allem bei einem spätgotischen Umbau zwischen 1510 und 1517, als unter anderem das Gewölbe erneuert wurde.
Der Innenraum ist nicht jederzeit frei zugänglich. Planen Sie den Ausflug daher so, dass er auch dann schön bleibt, wenn die Tür geschlossen ist. Gottesdienste finden nach regionalen Informationen gewöhnlich am letzten Sonntag des Monats statt; kirchliche Termine können sich jedoch ändern. Verhalten Sie sich rund um die Kirche und den kleinen Friedhof respektvoll und vermeiden Sie während einer Feier touristisches Fotografieren.
Ein Detail, das man leicht übersieht
Im Chor wurde eine mittelalterliche Wandmalerei aus dem 14. Jahrhundert entdeckt. Sie zeigt Maria mit dem Jesuskind und die Heiligen Drei Könige. Lange war dieses Bild unter späteren Schichten verborgen und kam erst zum Vorschein, als beschädigter Putz abfiel. Falls die Kirche geöffnet ist, lohnt es sich, danach Ausschau zu halten, ohne hinter Absperrungen zu treten.
Früher hing hier außerdem ein Bild des heiligen Thomas, dem Gläubige wundertätige Kraft zuschrieben. Deshalb kamen über lange Zeit Pilger und Prozessionen nach St. Thomas. Diese Geschichte erklärt, warum an einem so abgelegenen Ort eine vergleichsweise stattliche Kirche entstand.
Vom Wallfahrtsort zum Grenzgebiet
Die Vergangenheit der Kirche verlief nicht geradlinig. Im Zuge der Reformen Kaiser Josephs II. wurde sie 1786 geschlossen und verfiel. 1874 konnte sie restauriert und erneut geweiht werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet die gesamte Gegend in das streng kontrollierte Grenzgebiet. Die Armee nutzte das Gotteshaus zeitweise als Lager und Heuschuppen; das Gebäude war schließlich so beschädigt, dass sein Erhalt keineswegs selbstverständlich war.
Ab 1991 begann mit Unterstützung ehemaliger deutschsprachiger Bewohner die Rettung der beinahe verfallenen Kirche. 1997 wurde sie wieder geweiht. Gerade für deutsche und österreichische Gäste ist diese gemeinsame Geschichte spürbar: St. Thomas erzählt nicht nur von mittelalterlichen Rosenbergern, sondern auch von Vertreibung, verschlossener Grenze und später Versöhnung über die Grenze hinweg.
Was Kindern an Svatý Tomáš gefällt
Für Kinder ist meist nicht die Jahreszahl am spannendsten, sondern das Gefühl, mitten im Wald eine Kirche und einige Häuser zu entdecken. Auf der Wiese gibt es Platz zum Schauen und Durchatmen, im Wald finden sich Zapfen, Spuren und knorrige Wurzeln. Machen Sie aus dem Rundgang eine kleine Suche: Wer entdeckt zuerst den Kirchturm zwischen den Bäumen, ein altes Kreuz oder den Wegweiser zur Burg?
Die Siedlung ist ruhig, aber die Zufahrtsstraße wird von Autos und Fahrrädern genutzt. Lassen Sie jüngere Kinder daher nicht unbeaufsichtigt auf der Fahrbahn laufen. In Wald und Wiesen gehören lange Hosen und ein kurzer Zeckencheck nach dem Ausflug zur normalen Vorsorge. Hunde können gut mitkommen, sollten wegen Wildtieren und anderer Besucher an der Leine bleiben.
Einkehr und praktische Vorbereitung
In und um Svatý Tomáš gibt es mehrere Möglichkeiten zur Einkehr, darunter das Bistro Krmelec sowie gastronomische Angebote bei der Lesovna. Öffnungszeiten können außerhalb der Hauptsaison und an ruhigen Wochentagen variieren. Verlassen Sie sich deshalb nicht ausschließlich auf eine spontane Mahlzeit, sondern nehmen Sie Wasser und einen kleinen Snack mit.
Das Wetter auf knapp tausend Metern kann sich deutlich von der Lage direkt am Lipno-See unterscheiden. Selbst an einem warmen Sommertag ist eine leichte Jacke sinnvoll. Im Frühjahr bleiben schattige Waldwege länger feucht, und im Herbst wird es am Nachmittag früh kühl. Feste, unempfindliche Schuhe sind für kleine Spaziergänge ausreichend; bei einer längeren Wanderung sollten es richtige Wanderschuhe sein.
Verbindung mit Vítkův Hrádek
Von Svatý Tomáš ist es nur ein kurzer Weg zur Burgruine Vítkův Hrádek. Vom offiziellen Parkplatz unterhalb der Burg gehen Sie rund 400 Meter auf einer geschotterten Straße bergauf. Die Ruine mit ihrer Aussichtsplattform ist ein eigenes, sehr lohnendes Ziel und macht aus dem ruhigen Besuch der Siedlung einen vollständigen Halbtag.
Wenn Sie beide Orte verbinden, beginnen Sie möglichst mit der Burg, solange Sicht und Energie gut sind, und nehmen sich die Kirche anschließend als ruhigen Abschluss vor. Mit kleineren Kindern kann die Siedlung allein die bessere Entscheidung sein. So bleibt der Ausflug entspannt und niemand muss noch einen Turm besteigen, wenn die Konzentration bereits nachlässt.
Eine längere Variante zu Fuß oder mit dem Rad
Sportlichere Gäste erreichen Svatý Tomáš von Frýdava auf einer ungefähr sechs Kilometer langen, stetig ansteigenden Asphaltstrecke. Bis zur Burgregion werden rund 296 Höhenmeter überwunden. Die Strecke eignet sich gut für Fahrräder und E-Bikes, verlangt mit normalen Rädern aber Kondition. Familien sollten Verkehr, Steigung und den Rückweg realistisch einschätzen.
Zu Fuß wird daraus eine schöne Waldwanderung, für die Sie deutlich mehr Zeit als die in der Tabelle genannten zwei bis vier Stunden benötigen. Unterwegs gibt es einzelne Bänke, trotzdem gehören Getränke und Proviant in den Rucksack. Wenn Sie die Fähre nutzen, behalten Sie den letzten Rückkurs im Blick.
Wann sich der Ausflug besonders lohnt
Im späten Frühjahr wirkt die Umgebung frisch und ruhig, im Sommer bilden die alten Bäume einen angenehmen Schatten. Besonders stimmungsvoll ist Svatý Tomáš im frühen Herbst, wenn sich das Laub färbt und am Morgen Nebel zwischen den Wäldern liegt. Bei anhaltendem Regen verliert der Ausflug dagegen viel von seinem Reiz, denn die Stärke des Ortes liegt im Aufenthalt draußen.
Auch wenn die Kirche das wichtigste Bauwerk ist, sollten Sie Svatý Tomáš nicht als klassisches Besichtigungsziel mit garantierten Innenräumen planen. Kommen Sie wegen der Atmosphäre, der Landschaft und der Geschichte. Dann ist eine geschlossene Kirchentür keine Enttäuschung, sondern nur ein Teil eines ruhigen Spaziergangs im Böhmerwald.
Unsere Empfehlung
Svatý Tomáš empfehlen wir Gästen, die zwischen den größeren Attraktionen einen stillen, echten Ort kennenlernen möchten. Die Siedlung ist schnell erreicht, aber weit genug vom lebhaften Seeufer entfernt, um sich wie ein kleiner Ausflug in die Vergangenheit anzufühlen. Für Familien entsteht hier kein spektakulärer Actiontag, sondern eine angenehme gemeinsame Pause mit Bewegung und viel Raum.
Am schönsten ist die Kombination aus Fährfahrt, Kirche, kurzer Runde durch die Siedlung und einer Einkehr. Wer noch Energie hat, ergänzt Vítkův Hrádek. So bekommen Sie an einem halben Tag erstaunlich viel vom Charakter des südlichen Lipno-Gebiets mit: Wasser, Bergwald, gotische Geschichte und jene besondere Ruhe, die man im Urlaub oft länger in Erinnerung behält als das dichteste Programm.