Sternsteinwarte: Wandern zu einem steinernen Aussichtsturm
Der Sternstein ist kein dramatischer Alpengipfel, sondern ein typischer Berg des Mühlviertels: viel Wald, sanft ansteigende Wege und am Ende ein Ziel, das man zwischen den Bäumen erst im letzten Moment erkennt. Auf 1.125 Metern steht die Sternsteinwarte, ein zwanzig Meter hoher Rundturm aus Granit. Mit ihrer zinnenartigen Krone erinnert sie eher an einen kleinen Burgturm als an eine gewöhnliche Aussichtsplattform. Genau diese Verbindung aus Wanderung, Geschichte und weitem Blick macht den Ausflug von Lipno aus interessant.
Für Familien mit älteren, wandererprobten Kindern und für eine Gruppe von Freunden empfehlen wir die große Sternstein-Runde ab Bad Leonfelden. Sie füllt den Tag, führt nicht nur zum Turm, sondern durch die abwechslungsreiche Kulturlandschaft rund um den Kurort. Wer weniger weit gehen möchte, kann höher am Berg starten und eine kürzere Runde wählen. So lässt sich der Ausflug gut an Kondition, Wetter und Alter der Kinder anpassen.
Die große Sternstein-Runde ab Bad Leonfelden
Die offiziell markierte Sternstein-Runde beginnt im Zentrum von Bad Leonfelden. Sie ist knapp 16 Kilometer lang, überwindet rund 370 Höhenmeter und wird mit etwa viereinhalb bis fünf Stunden Gehzeit angegeben. Mit Pausen an den Felsen, auf der Warte und bei einer Einkehr sollten Sie deutlich mehr Zeit einplanen. Die roten Aufkleber mit der Aufschrift „Sternstein-Runde“ begleiten Sie auf der Strecke.
Vom Stadtgebiet geht es zunächst über Oberlaimbach in Richtung Talstation der Sternsteinlifte. Danach wird die Umgebung zunehmend stiller. Waldwege, Schotterpassagen und kleinere Naturpfade wechseln sich ab; etwa vierzig Prozent der Runde verlaufen auf Asphalt, der Rest auf Schotter oder natürlichem Untergrund. Das klingt weniger wild als eine Bergtour im Böhmerwald, die Länge und der stetige Anstieg machen den Tag dennoch sportlich.
Unterwegs kommen Sie am Pilzstein vorbei, einer jener eigenwilligen Granitformationen, die so gut in diese Grenzlandschaft passen. Solche Zwischenziele sind mit Kindern besonders wertvoll: Statt nur auf den Gipfel zu warten, gibt es immer wieder etwas zu entdecken. Der eigentliche Höhepunkt folgt an der Sternsteinwarte. Vor dem Turm stehen Bänke, auf denen sich die mitgebrachte Jause sehr gut auspacken lässt.
Die letzten Stufen und der Blick von oben
Im Inneren des Turms führt eine enge, spiralförmige Steintreppe hinauf. Sie ist Teil des Erlebnisses, verlangt aber ein wenig Aufmerksamkeit – vor allem, wenn Ihnen andere Besucher entgegenkommen oder kleinere Kinder ungeduldig vorauslaufen. Oben öffnet sich die zinnenbewehrte Plattform. Der Wald, der vom Boden aus viele Sichtachsen verdeckt, liegt nun unter Ihnen.
Bei klarer Luft reicht der Rundblick weit über das hügelige Mühlviertel. Die Orientierungstafeln an der Brüstung helfen, markante Ziele zuzuordnen. Laut Alpenverein können Sie bei außergewöhnlich guter Fernsicht vom Schneeberg über den Dachstein bis zum Watzmann blicken; in nördlicher Richtung sind der Lipno-Stausee und sogar die Kühltürme von Temelín auszumachen. Rechnen Sie trotzdem nicht an jedem Tag mit Alpenpanorama. Auch bei etwas diesiger Sicht lohnt sich der Aufstieg, weil die Felder, Wälder und Dörfer unmittelbar rund um den Sternstein wie eine große Landschaftskarte wirken.
Die Plattform ist kompakt und hoch gelegen. Kinder sollten hier eng bei den Erwachsenen bleiben, auch wenn moderne Absturzsicherungen zwischen den Zinnen angebracht sind. Wer starke Höhenangst hat, findet bereits am Turm und auf den umliegenden Rastplätzen einen schönen Abschluss der Wanderung, ohne ganz nach oben steigen zu müssen.
Ein Turm mit mehr als hundert Jahren Geschichte
Die Warte wurde 1898 anlässlich des fünfzigjährigen Regierungsjubiläums von Kaiser Franz Joseph I. errichtet und im Oktober 1899 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung eröffnet. Rund tausend Festgäste sollen damals auf den Berg gekommen sein – eine beachtliche Zahl für die damalige Zeit. Die Gemeinde Leonfelden gehörte damit zu den frühen Förderern des Wandertourismus in der Region.
Der massive Granitturm hat mehrere Renovierungen überstanden. Nach schwierigen Jahren rund um den Zweiten Weltkrieg übernahm der Österreichische Alpenverein die Betreuung; eine umfassende Sanierung folgte 1993. Auch Treppengeländer und Ausstiegsbereich wurden später erneuert. Wenn Sie durch das kühle Innere aufsteigen, spüren Sie deshalb nicht nur den Charakter des alten Bauwerks, sondern sehen zugleich, wie sorgfältig es bis heute erhalten wird. Eine freiwillige Spende am Eingang hilft bei dieser Arbeit.
Kürzere Variante für Familien
Nicht jede Gruppe möchte sechzehn Kilometer gehen. Eine deutlich kürzere Möglichkeit beginnt im Bereich der Waldschenke beziehungsweise an einem höher gelegenen Wanderparkplatz. Von dort lässt sich der Sternstein auf einer familienfreundlichen Runde erreichen; je nach gewähltem Weg kommen nur wenige Kilometer und etwa anderthalb bis zweieinhalb Stunden Gehzeit zusammen. Prüfen Sie die aktuelle Zufahrt und Parkregelung vorab und folgen Sie vor Ort den offiziellen Wegweisern.
Diese Variante eignet sich gut, wenn Kinder zwar gern laufen, aber noch keine lange Tagestour schaffen. Für einen Kinderwagen ist auch sie nicht ideal: Schotter, Wurzeln und die Stufen im Turm bleiben. Mit einer Rückentrage sind kleinere Kinder besser aufgehoben. Hunde dürfen mit, sollten im Wald und bei Begegnungen mit anderen Wanderern jedoch an der Leine bleiben. In den engen Turmaufgang würden wir nur einen ruhigen, trittsicheren Hund mitnehmen; häufig ist es entspannter, wenn eine Person kurz mit ihm unten wartet.
Parken, Einkehr und beste Jahreszeit
Für die große Runde empfiehlt die offizielle Tourenbeschreibung den öffentlichen Parkplatz gegenüber dem Kindergarten in Bad Leonfelden, Pfarrerleite 3. Vom Stadtplatz aus ist der Einstieg gut nachvollziehbar. So können Sie die Wanderung anschließend mit einem Spaziergang durch das Zentrum oder einem Cafébesuch verbinden. Auf der Strecke liegt die Berggasthof Waldschenke als mögliche Einkehr; Öffnungstage und Betriebszeiten sollten Sie vor der Fahrt kontrollieren. Gerade außerhalb der Hauptsaison gehört trotzdem ausreichend Wasser und Proviant in den Rucksack.
Die Sternsteinwarte ist vom Frühjahr bis zum Herbst frei zugänglich und rund um die Uhr geöffnet. Beim ersten Schnee wird sie aus Sicherheitsgründen versperrt; das konkrete Öffnungsdatum kann jedes Jahr variieren. Die aktuelle Saisoninformation sollte deshalb besonders im März, April und Spätherbst geprüft werden. Der Turm ist ausschließlich zu Fuß erreichbar, nicht rollstuhlgeeignet und auch bei geöffneter Tür kein gutes Schlechtwetterziel.
Am schönsten ist die Tour an einem klaren Tag im späten Frühjahr oder Frühherbst. Im Sommer spendet der Wald viel Schatten, auf den offenen Abschnitten kann es dennoch warm werden. Feste Schuhe reichen bei trockenen Bedingungen aus; nach Regen sind Naturwege und Steinstufen rutschig. Nehmen Sie außerdem Windschutz mit, denn oben auf der Plattform fühlt es sich oft merklich kühler an als im Tal.
Unser Eindruck
Die Sternsteinwarte ist ein Ziel für Urlaubstage, an denen der Weg genauso wichtig sein darf wie der Aussichtspunkt. Die große Runde bietet genügend Bewegung für aktive Erwachsene und ältere Kinder, bleibt technisch aber unkompliziert. Die kurze Variante macht den markanten Granitturm auch für Familien erreichbar, die noch keinen langen Wandertag planen möchten.
Uns gefällt besonders, dass hier nichts überinszeniert ist. Sie gehen durch Wald und Mühlviertler Hügelland, erreichen einen historischen Turm und steigen am Ende über dieselben massiven Stufen hinauf, die schon Generationen von Ausflüglern benutzt haben. Bei guter Fernsicht wird daraus ein großartiger Aussichtstag; bei normaler Sicht bleibt es eine ehrliche, angenehm ruhige Wanderung mit einem Ziel, an das sich Kinder wie Erwachsene gut erinnern.