Ein besonderer Ort, den man nicht betreten muss
Nur wenige Kilometer vom Lipno-See entfernt liegt bei Muckov eine Landschaft, die auf den ersten Blick kaum zu den sanften Wäldern und Wiesen des Böhmerwaldes passt. Die Muckover Kalksteinbrüche sind Überreste eines alten Bergbaus mit tiefen Gruben, unterirdischen Hohlräumen und mächtigen Felspfeilern. Heute stehen sie als Naturdenkmal unter Schutz.
Das Wichtigste gleich zu Beginn: Das eigentliche Bruchgelände ist aus Sicherheitsgründen für die Öffentlichkeit gesperrt. Der Untergrund ist stellenweise unterhöhlt, Felsdecken können einstürzen und besonders gefährliche Bereiche sind eingezäunt. Dieser Ausflug ist daher keine Kletter- oder Höhlentour. Empfehlenswert ist ein Spaziergang auf den öffentlichen Wegen in der Umgebung, verbunden mit einem Blick auf die geschützte Landschaft aus sicherer und erlaubter Position.
So planen Sie den Ausflug
Von unserem Ferienhaus sind es ungefähr fünf Kilometer bis in den Bereich Muckov. Für Anfahrt und Spaziergang sollten Sie insgesamt zwei bis drei Stunden einplanen. Orientieren Sie sich an der Ortschaft Muckov und bleiben Sie auf den vorhandenen öffentlichen Wegen. Die Brüche liegen in einem kleinen Waldstück westlich des Dorfes in der Nähe der lokalen Straße Richtung Černá v Pošumaví.
Fahren Sie nicht über Wald- oder Privatwege und stellen Sie das Auto nur dort ab, wo es eindeutig erlaubt ist. Die Umgebung lässt sich auch gut mit einer längeren Wanderung oder Fahrradtour verbinden. Für Familien ist eine kurze Fußrunde sinnvoller, bei der die Kinder unterwegs die Unterschiede zwischen Wiese, Wald und dem felsigen Schutzgebiet beobachten.
Die Wege sind nicht für Kinderwagen gedacht. Mit jüngeren Kindern ist eine Rückentrage die bessere Wahl. Nach Regen werden Waldboden und Feldwege rutschig; feste Schuhe sind auch bei kurzer Strecke angebracht.
Warum die Brüche so ungewöhnlich sind
In Muckov wurde kristalliner und dolomitischer Kalkstein abgebaut. Anders als bei einem großen offenen Steinbruch entstanden mehrere kleine Gruben und unterirdische Abbaukammern. Zurück blieben Hohlräume und Felspfeiler, die dem Gelände sein eigenartiges Aussehen geben – und zugleich die heutige Einsturzgefahr erklären.
Der Kalkstein liegt hier als vergleichsweise schmale geologische Linse in den älteren Gesteinen des Moldanubikums. Für Kinder lässt sich das einfacher erklären: Mitten in einer Landschaft, die vor allem von anderen Gesteinen geprägt ist, fanden Bergleute einen begrenzten Streifen Kalkstein und folgten ihm auch unter die Erde.
Steine, Pflanzen oder andere Naturmaterialien werden im Schutzgebiet nicht gesammelt. Was auf den ersten Blick wie ein spannendes Souvenir wirkt, gehört zu einer geschützten geologischen und botanischen Fundstelle.
Ein wichtiges Winterquartier für Fledermäuse
Die alten Hohlräume sind heute nicht nur Zeugnisse des Bergbaus. Sie dienen mehreren Fledermausarten als Winterquartier; Fachquellen nennen neun nachgewiesene Arten. Die gleichmäßige Temperatur und geschützte Dunkelheit machen ehemalige Stollen und Kammern für die Tiere besonders wertvoll.
Deshalb ist Abstand nicht nur eine Sicherheitsfrage. Störungen können überwinternde Fledermäuse Energie kosten, die sie in der kalten Jahreszeit dringend benötigen. Leuchten Sie nicht in Öffnungen, machen Sie keinen Lärm am Zaun und versuchen Sie keinesfalls, Absperrungen zu umgehen.
Mit Kindern ab etwa sechs Jahren
Für Kinder ab ungefähr sechs Jahren kann der Ausflug spannend sein, wenn Sie ihn als Entdeckerrunde und nicht als Besuch im Steinbruch ankündigen. Erzählen Sie vorher, dass sich unter dem Waldboden alte Abbaukammern befinden und dass heute Fledermäuse einen Teil dieser von Menschen geschaffenen Räume nutzen.
Die klare Regel lautet: Wege und Absperrungen werden nicht verlassen. Gerade neugierige Kinder sollten in der Nähe des Schutzgebietes bei den Erwachsenen bleiben. Ein Fernglas, eine Lupe für Beobachtungen am Weg und eine kleine geologische Karte sind sinnvoller als der Versuch, möglichst nah an eine Grube heranzukommen.
Der Ausflug eignet sich nicht für Kleinkinder, die frei vorauslaufen, und nicht für Gruppen, die eine spektakuläre Höhlenbesichtigung erwarten. Wer dagegen gern draußen ist und sich für Naturgeschichte interessiert, bekommt ein ungewöhnliches Ziel ganz in der Nähe von Lipno.
Unterwegs mit Hund
Einen Hund können Sie auf den Wegen in der Umgebung mitnehmen. Halten Sie ihn jedoch konsequent an der Leine. Das schützt Wildtiere, verhindert das Betreten gefährlicher Bereiche und sorgt dafür, dass der Hund nicht unter Zäunen hindurch in das instabile Gelände gelangt.
Im Wald gibt es keine verlässliche Versorgung. Nehmen Sie Trinkwasser und Beutel mit und achten Sie besonders nach Regen auf glatte Wurzeln und kalkigen Schlamm. Schutzgebiet und Absperrungen gelten selbstverständlich auch für Tiere.
Was Sie mitnehmen sollten
Feste Schuhe, lange Hosen und eine leichte Regen- oder Windjacke reichen für den kurzen Ausflug meist aus. Im Sommer sind Zeckenschutz und eine anschließende Kontrolle sinnvoll. Packen Sie Wasser und einen kleinen Snack ein; unmittelbar am Naturdenkmal gibt es weder Gastronomie noch Toiletten.
Als Schlechtwetterziel taugt der Ort nicht. Bei starkem Regen, Sturm oder schlechter Sicht wählen Sie lieber ein anderes Programm. Von Frühling bis Herbst ist die Umgebung am angenehmsten, wobei trockene Tage für die unbefestigten Wege klar im Vorteil sind.
Ein Stück Technik- und Naturgeschichte
Die Muckover Brüche zeigen sehr anschaulich, wie sich eine ehemalige Industrielandschaft in einen wertvollen Lebensraum verwandeln kann. Der Abbau hinterließ zwar gefährliche Hohlräume, zugleich entstanden besondere Bedingungen für seltene Pflanzen und überwinternde Fledermäuse. Seit 1990 ist das Gebiet als Naturdenkmal geschützt.
Auch Filmgeschichte gehört dazu: Teile der ungewöhnlichen Felskulisse wurden für den tschechoslowakischen Film „Atentát“ genutzt. Heute wäre eine solche Nutzung nur unter strengen Bedingungen denkbar. Der Schutz von Natur und Besuchern hat Vorrang.
Unsere ehrliche Empfehlung
Die Muckover Kalksteinbrüche sind kein klassischer Familienausflug und keine frei zugängliche Sehenswürdigkeit. Wir empfehlen den Ort als ruhigen Geologie-Spaziergang für Familien mit älteren Kindern, Erwachsene und naturinteressierte Freunde. Der eigentliche Reiz liegt darin, die Geschichte der Landschaft zu verstehen – nicht darin, eine Absperrung zu überwinden.
Wer klare Sicherheitsregeln akzeptiert und auf öffentlichen Wegen bleibt, erlebt hier eine überraschende Seite des Böhmerwaldes. Wer in einen Steinbruch hinabsteigen oder Höhlen erkunden möchte, sollte stattdessen eine offiziell zugängliche Anlage mit Führung wählen.
Bildnachweis: Juandev, Wikimedia Commons, Lizenz CC BY-SA 3.0. Das verwendete Foto wurde nicht verändert.