Ein Kanal verschwindet im Berg
Bei Jelení Vrchy bekommt der Schwarzenbergische Schwemmkanal seine eindrucksvollste Form. Statt weiter um den Bergrücken zu fließen, verschwindet das Wasser in einem steinernen Portal und durchquert den Sattel zwischen Plešivec und Jelenská hora. Der Hirschbergen-Tunnel ist knapp 400 Meter lang und wurde nicht für Menschen, Züge oder Autos gebaut, sondern für Holz.
Als kurzer Ausflug funktioniert das Ziel besonders gut für Familien mit schulpflichtigen Kindern. Die Portale sehen ein wenig wie Eingänge zu einer kleinen Waldritterburg aus, der Weg ist überschaubar und die Technik lässt sich ohne Museumsvorkenntnisse erklären. Der Tunnel selbst wird nicht vollständig durchquert. Aus Sicherheitsgründen und zum Schutz von Fledermäusen sind nur kurze Bereiche an den Portalen zugänglich.
Wichtiger Hinweis zur Wegsperrung 2026
Vom 21. Juli bis 20. September 2026 ist laut Nationalpark Šumava wegen Reparaturarbeiten ein Teil des Waldwegs am Schwarzenbergischen Schwemmkanal gesperrt. Das kann auch die Verbindung zwischen einzelnen Zielen bei Jelení Vrchy beeinflussen. Prüfen Sie deshalb am Tag vor dem Ausflug die aktuellen Hinweise des Nationalparks und respektieren Sie jede Umleitung. Wenn ein Portal nicht erreichbar ist, versuchen Sie bitte nicht, Absperrungen im Wald zu umgehen.
Start am unteren Portal
Sie fahren über Nová Pec nach Jelení Vrchy und parken auf dem ausgewiesenen Parkplatz oberhalb des unteren Portals. Die letzten Kilometer führen über eine schmalere Straße in den Böhmerwald. Der Parkplatz liegt am Hang; mit Kinderwagen kann bereits der Weg hinunter zum Kanal anstrengender sein als der anschließende Spaziergang. Ein geländegängiges Modell ist deutlich geeigneter als ein kleiner Buggy.
Das untere Portal erreichen Sie schnell. Über dem Eingang trägt ein Stein die Jahreszahl 1823, das Jahr der Fertigstellung. Im Dunkel dahinter verläuft neben der Schwemmrinne ein schmaler Treppelweg, auf dem Arbeiter den Holztransport kontrollierten. Nach wenigen Metern verhindert ein Gitter das weitere Betreten. Genau so sollte es bleiben: Der Tunnel ist feucht, eng und ein wichtiges Winterquartier für Fledermäuse.
Zum oberen Portal durch den Wald
Wer beide Seiten sehen möchte, geht auf den markierten Wegen um den Hügel zum oberen Portal. Die Runde ist nicht lang, doch Waldwege, Wurzeln und feuchte Stellen verlangen feste Schuhe. Für kleine Kinder bleiben Sie am besten bei der Hand, besonders nahe am Wasserlauf und an den steinernen Bauwerken.
Das obere, auch als Einlaufportal bezeichnete Bauwerk wirkt deutlich dekorativer. Ecktürmchen, Zinnen, schmale Öffnungen und ein Spitzbogen geben ihm sein neugotisches Aussehen. Es stammt in dieser Form aus dem Umbau von 1896. Der dunkle Eingang liegt tief im grünen Wald, Farne und Moos wachsen an den Steinen – ein starkes Motiv, das fast märchenhaft wirkt, obwohl dahinter nüchterne Forsttechnik steckt.
Warum brauchte der Kanal einen Tunnel?
Der ältere Teil des Schwemmkanals war Ende des 18. Jahrhunderts bereits in Betrieb. Nach dem Tod des Planers Josef Rosenauer wurde das System von 1821 bis 1823 um den Neuen Kanal erweitert. Unter Leitung von Ernest Mayer setzten die Ingenieure Falta und Kraus die vorhandenen Pläne um. Der Tunnel verkürzte den Weg durch den Bergsattel und verband den neuen Kanal mit dem älteren System bei Jelení Vrchy.
Bei seiner Fertigstellung war der Tunnel ungefähr 419 Meter lang, 2,6 Meter breit und vom Kanalboden aus rund 3,7 Meter hoch. Später wurde der gekrümmte Bereich vor dem oberen Eingang geöffnet und das Portal versetzt. Heute misst die Anlage etwa 396 Meter. Zwischen Ein- und Ausgang liegen nur knapp sieben Höhenmeter – genug Gefälle, damit Wasser und Holz durch den Berg gelangten.
Für Kinder lässt sich das Prinzip einfach erklären: Das Wasser war der Motor, das Gefälle die Straße und die Scheite waren die Fracht. Ohne Lastwagen konnten große Holzmengen aus abgelegenen Wäldern bis zu weiteren Flüssen transportiert werden. Ab etwa 1900 wurden nach Umbauten sogar lange Stämme durch das System geschwemmt.
Schächte, Treppelweg und Fledermäuse
Beim Bau wurde nicht nur von beiden Portalen aus gearbeitet. Zwei tiefe Schächte halfen, den Fels von mehreren Stellen gleichzeitig aufzubrechen. Einer reicht etwa 15 Meter, der andere ungefähr 13 Meter bis zur Kanalsohle. Diese Öffnungen sind heute gesichert und dürfen nicht betreten werden.
Die Arbeiter begleiteten die Holzfracht auf dem schmalen Treppelweg neben der Rinne. Verklemmte sich etwas, mussten sie im feuchten Tunnel eingreifen. Diese Vorstellung macht die Anlage besonders anschaulich: Sie war kein bequemes Bauwerk, sondern ein enger Arbeitsplatz in Dunkelheit, Nässe und Lärm.
Später wurde der Tunnel auch für Fledermäuse wichtig. Historische Zählungen belegen große Winterbestände, darunter Mopsfledermäuse. Der eingeschränkte Zugang schützt deshalb nicht nur Besucher, sondern auch empfindliche Tiere. Taschenlampen dürfen Sie für einen Blick vom erlaubten Bereich aus dabeihaben; leuchten Sie jedoch nicht lange in Spalten und stören Sie keine Tiere.
So planen Sie den Ausflug mit Kindern
Für Kinder ab etwa sechs Jahren ist der Tunnel ein gutes Ziel, wenn sie gern laufen und auf Waldwegen sicher sind. Der Ausflug lebt von kurzen Etappen: Portal anschauen, Inschrift suchen, Wasserlauf verfolgen und anschließend die kleine Kanalausstellung in Jelení Vrchy besuchen, sofern sie geöffnet ist. Rechnen Sie mit drei bis fünf Stunden inklusive Anfahrt, Pausen und einem zusätzlichen Stück am Kanal.
Packen Sie Getränke und Brotzeit ein. Direkt an den Portalen gibt es weder verlässliche Gastronomie noch eine Toilette. Wasserdichte Schuhe sind nach Regen sehr hilfreich, außerdem eine leichte Jacke: Am Tunnel bleibt es auch im Sommer kühl und feucht. Hunde können auf den Wegen an der Leine mitkommen, dürfen aber nicht in abgesperrte Bereiche oder in den Tunnel geführt werden.
Bei starkem Regen oder Gewitter verschieben Sie den Ausflug besser. Nasse Wurzeln und Steine werden rutschig, und der dunkle Tunneleingang ist dann weniger reizvoll. Der Weg ist nur teilweise kinderwagentauglich. Für ein Baby ist eine Trage meist praktischer, besonders wenn Sie beide Portale verbinden möchten.
Unser Fazit
Der Hirschbergen-Tunnel ist ein kleines Ziel mit einer großen Geschichte. Zwei verzierte Portale, ein fast 400 Meter langer Durchstich und ein Wasserweg für Holz zeigen, wie erfinderisch die Forstwirtschaft im Böhmerwald vor zweihundert Jahren war. Wir empfehlen den Ausflug allen, die Technikgeschichte gern draußen erleben und keine lange Bergtour brauchen. Zusammen mit einem kurzen Spaziergang am Schwemmkanal entsteht ein abwechslungsreicher halber Tag – vorausgesetzt, die aktuelle Sperrung erlaubt den Zugang.