Ein stillerer Blick auf Český Krumlov
Český Krumlov verbindet man zuerst mit Schloss, Moldauschleifen und engen Altstadtgassen. Im Egon Schiele Art Centrum lernen Sie die Stadt von einer anderen Seite kennen. Hinter der hellen Fassade in der Široká-Straße öffnet sich ein überraschend großes Ausstellungshaus mit historischen Räumen, langen Fluchten und viel Platz für moderne Kunst. Für kunstinteressierte Erwachsene, ältere Kinder und Freundesgruppen ist es eine angenehme Abwechslung zum klassischen Besichtigungsprogramm – und bei Regen eine der besten Adressen in der Altstadt.
Das Haus trägt den Namen des österreichischen Expressionisten Egon Schiele, dessen Familie eng mit Krumau verbunden war. Seine Mutter Marie Soukupová stammte aus der Stadt, und Schiele selbst kam immer wieder hierher. Die gedrängten Häuser, schiefen Dächer und engen Moldauschleifen tauchen in seinen Stadtlandschaften in einer eigenwilligen, oft dunklen Form wieder auf. Nach dem Museumsbesuch sehen Sie manche Gasse tatsächlich mit anderen Augen.
Mehr als ein Schiele-Museum
Wer ausschließlich eine große Sammlung berühmter Originale von Egon Schiele erwartet, sollte die Erwartungen etwas anpassen. Ein dauerhafter Bereich erzählt von seinem Leben, seinem Werk und seiner schwierigen Beziehung zu Krumau. Daneben versteht sich das Centrum vor allem als Galerie für Kunst des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart. Die wechselnden Ausstellungen nehmen einen großen Teil der rund 5.000 Quadratmeter umfassenden Anlage ein und machen jeden Besuch ein wenig anders.
Gerade diese Mischung ist spannend. Sie beginnen mit Schieles Biografie und seinem Blick auf die Stadt, gehen danach aber durch Räume, in denen Malerei, Zeichnung, Fotografie oder Skulptur ganz unterschiedliche Stimmungen erzeugen. Manche Arbeiten erschließen sich sofort, andere laden zu einer Diskussion ein. In einer Gruppe von Freunden ist das besonders schön: Schon nach wenigen Sälen hat meist jeder ein anderes Lieblingswerk.
Die Ausstellungen im Jahr 2026
Für die Saison 2026 zeigt das Centrum vom 1. April 2026 bis zum 3. Januar 2027 unter anderem eine umfangreiche Ausstellung des tschechischen Malers Luděk Rathouský. Mehr als 160 Gemälde und Zeichnungen verbinden kräftige Farben und geometrische Formen mit Motiven mittelalterlicher Meister wie Meister Theoderich oder dem Meister des Hohenfurther Altars. Auch ohne kunsthistorische Vorkenntnisse lässt sich gut erkennen, wie alte Bildideen in eine sehr heutige Sprache übersetzt werden.
Parallel dazu sind leicht überlebensgroße Skulpturen des österreichischen Künstlers Lois Fasching zu sehen. Sie kreisen um Heinrich VIII., seinen Hof und die Machtstrukturen seiner Zeit. Für Jugendliche ist das oft zugänglicher als eine reine Gemäldeschau, weil die Figuren den Raum unmittelbar verändern. Da Wechselausstellungen naturgemäß ausgetauscht werden, empfehlen wir vor der Fahrt einen Blick auf die offizielle Website. Die Eintrittskarte gilt für alle aktuell geöffneten Ausstellungen.
Wie viel Zeit sollten Sie einplanen?
Für einen ruhigen Rundgang sind etwa eineinhalb bis zwei Stunden realistisch. Kunstliebhaber können deutlich länger bleiben, während Familien mit Kindern eher einzelne Räume auswählen. Zusammen mit der Fahrt vom Lipno-See, dem Parken und einem kleinen Altstadtrundgang ergibt sich ein Halbtagesausflug von zwei bis vier Stunden. Das Centrum lässt sich sehr gut mit dem Hauptplatz, dem Moldauufer oder einer Kaffeepause verbinden, ohne dass Sie gleich einen kompletten Krumlov-Tag daraus machen müssen.
Mit kleinen Kindern hängt der Besuch stark von deren Interesse ab. Die großen Räume und Skulpturen wirken meist besser als lange biografische Texte. Ab etwa zehn Jahren können viele Kinder und Jugendliche die Themen schon selbstständig aufnehmen. Sinnvoll ist, nicht jedes Schild lesen zu wollen, sondern gemeinsam nach Bildern, Farben oder Stadtansichten zu suchen, die eine Reaktion auslösen.
Kinderwagen, Regen und praktische Details
Das Museum ist mit Kinderwagen grundsätzlich besuchbar. Wie fast überall in der Krumauer Altstadt liegt die größere Herausforderung auf dem Weg dorthin: Kopfsteinpflaster und leichte Steigungen sind mit großen Rädern deutlich angenehmer. Wer mit einem sehr kleinen Kind kommt, fährt am entspanntesten außerhalb der Hauptbesuchszeit. Hunde dürfen in die Ausstellungsräume nicht mitgenommen werden.
Bei Regen spielt das Art Centrum seine Stärke aus. Die Ausstellungsfläche ist groß genug, dass Sie nicht nach zwanzig Minuten wieder draußen stehen, und die historischen Innenräume haben ihre eigene Atmosphäre. Im Winter oder an kühlen Tagen lohnt sich eine zusätzliche Schicht Kleidung; in einem weitläufigen historischen Gebäude fühlen sich manche Säle frischer an als ein modernes Museum.
Anfahrt und Parken
Vom Ferienhaus sind es rund 25,5 Kilometer bis Český Krumlov. Das Egon Schiele Art Centrum befindet sich in der Široká 71 innerhalb der Fußgängerzone. Fahren Sie deshalb nicht bis vor die Tür, sondern nutzen Sie einen der ausgeschilderten städtischen Parkplätze P1 bis P5. Von dort gehen Sie durch die Altstadt zur Galerie. Der Weg ist bereits Teil des Ausflugs, kann mit jüngeren Kindern aber länger dauern als die reine Entfernung vermuten lässt.
Rund um den Hauptplatz und in den angrenzenden Gassen finden Sie zahlreiche Cafés, Restaurants und Toiletten. Praktisch ist ein Besuch am späten Vormittag: Danach können Sie in Ruhe essen und je nach Wetter entscheiden, ob Sie noch weiter durch die Stadt gehen oder zum Lipno-See zurückfahren.
Öffnungszeiten und Eintritt
Nach den aktuell veröffentlichten Angaben ist das Centrum von Dienstag bis Sonntag jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet; montags bleibt es geschlossen. Der reguläre Eintritt kostet derzeit 280 Kč, ermäßigt 230 Kč. Für zwei Erwachsene mit bis zu fünf Kindern gibt es eine Familienkarte für 580 Kč, für einen Erwachsenen mit bis zu drei Kindern eine Karte für 300 Kč. Kinder unter sechs Jahren haben freien Eintritt. Bezahlt werden kann bar oder mit Karte.
Da Ausstellungen und gelegentlich auch Öffnungszeiten wechseln, lohnt sich kurz vor dem Ausflug eine Kontrolle auf der offiziellen Seite. Besonders bei einer weiten Anfahrt an Feiertagen ist dieser kleine Check sinnvoll.
Unser Fazit
Das Egon Schiele Art Centrum ist kein typischer Programmpunkt für jede Familie, aber genau deshalb eine gute Ergänzung zu den bekannten Sehenswürdigkeiten. Wer sich für Kunst interessiert, einen Regentag sinnvoll nutzen möchte oder mit älteren Kindern reist, findet hier großzügige Räume und genug Stoff für Gespräche. Die Verbindung zwischen Schieles eigenwilligen Stadtbildern und dem realen Krumau macht den Besuch besonders.
Wir empfehlen, danach bewusst noch ein Stück durch die Široká-Straße und zum Moldauufer zu gehen. Wenn Sie die Fassaden und Dächer gerade in Schieles Bildern gesehen haben, wirkt die Altstadt für einen Moment weniger wie eine Postkarte und mehr wie ein lebendiger, manchmal kantiger Ort.