Ein Ausblick, den ihr am Lipno nicht verpassen solltet
Der Baumwipfelpfad Lipno ist weit mehr als ein Aussichtsturm. Schon der Weg durch die Baumkronen verändert den Blick auf den Böhmerwald: Der Waldboden verschwindet langsam unter euch, Äste rücken auf Augenhöhe und am Ende öffnet sich vom Turm ein Panorama über den Lipno-Stausee, die bewaldeten Höhen und bei klarer Sicht bis zu den Alpen. Für uns gehört dieser Ausflug zu den schönsten rund um den Lipno-See.
Die Attraktion liegt auf dem Kramolín oberhalb von Lipno nad Vltavou, etwa 20 Autominuten von unserem Ferienhaus in Černá v Pošumaví entfernt. Der eigentliche Pfad ist auch mit kleinen Kindern gut zu schaffen, denn statt Treppen steigt eine breite Holzrampe sanft an. Dadurch können Familien mit Kinderwagen, Großeltern und Freunde gemeinsam unterwegs sein, ohne sich in unterschiedliche Gruppen aufteilen zu müssen.
So beginnt der Ausflug
Am einfachsten parkt ihr auf einem der zentralen Parkplätze in Lipno nad Vltavou und entscheidet dort, wie ihr zum Gipfel kommt. In der Sommersaison fahren die Sesselbahn Lipno Express und ein Stezkabus hinauf. Sportlichere Familien können den Kramolín auch zu Fuß erklimmen. Der Aufstieg verlängert den Ausflug deutlich und ist mit einem gewöhnlichen Kinderwagen weniger angenehm als die anschließende Stezka selbst.
Mit kleineren Kindern wählen wir meist die Bergfahrt per Sesselbahn oder Bus. Die Sesselliftfahrt gehört für viele Kinder bereits zum Erlebnis, setzt aber voraus, dass alle beim Ein- und Aussteigen ruhig mitmachen. Wer einen Kinderwagen dabeihat oder sich in der offenen Sesselbahn unwohl fühlt, sollte den Bus beziehungsweise die jeweils angebotene barrierearme Verbindung prüfen. Fahrpläne und Betriebsarten ändern sich nach Saison, daher gehört ein Blick auf die offizielle Seite zur Vorbereitung.
Zwischen den Baumkronen
Der Holzsteg führt über mehrere hundert Meter durch den Bergwald. Er steigt so allmählich an, dass man die gewonnene Höhe zunächst kaum bemerkt. Erst wenn ihr seitlich durch die Netze schaut, wird deutlich, wie weit unten der Waldboden bereits liegt. Trotz dieser Höhe wirkt der Weg solide und ruhig. Auch Besucher, die Aussichtstürme mit steilen Treppen meiden, fühlen sich hier meist wohl.
Entlang der Strecke erklären Stationen den Wald, seine Bewohner und die Landschaft des Böhmerwaldes. Für Kinder sind die Balancier- und Seilelemente spannender. Sie liegen als gesicherte Alternativen direkt neben dem normalen Weg: Wer möchte, probiert sie aus; wer unsicher ist, bleibt einfach auf den Holzplanken. Das verhindert den typischen Streit, dass ein mutiges Kind weiterwill, während ein anderes lieber zuschaut.
Plant genug Zeit ein, um stehen zu bleiben. Zwischen den Stämmen verändert sich der Blick ständig, und gerade am Morgen hört ihr bei weniger Betrieb oft Vögel im Wald. Im Hochsommer ist es auf dem Pfad angenehmer als unten im Ort, trotzdem kann die offene Turmspitze sonnig und windig sein.
Der Aussichtsturm und das große Panorama
Am Ende geht der Steg in den markanten, rund 40 Meter hohen Aussichtsturm über. Auch hier steigt ihr ohne Treppen in weiten Schleifen nach oben. Mit jeder Runde wird der Horizont größer. Oben liegt der Lipno-See wie eine breite blaue Fläche zwischen den Wäldern; Inseln, Buchten und Orte am Ufer lassen sich aus dieser Perspektive ganz neu einordnen.
An klaren Tagen reicht die Sicht weit über den Böhmerwald und nach Österreich. Selbst wenn die Alpen im Dunst verschwinden, ist das Panorama beeindruckend. Besonders schön sind Vormittage nach einer kalten Nacht oder Tage mit klarer Luft nach einem Wetterwechsel. Bei tiefen Wolken und Nebel verliert die Aussicht dagegen ihren größten Reiz. Dann lohnt es sich, den Besuch wenn möglich zu verschieben.
Oben kann kräftiger Wind wehen, obwohl es am Parkplatz warm und still ist. Eine dünne Jacke gehört deshalb auch im Sommer in den Rucksack. Haltet Mützen gut fest und lasst lose Gegenstände nicht auf der Brüstung liegen.
Der Tobogan: schnell zurück nach unten
Ein Höhepunkt für viele Kinder ist die lange Trockenrutsche im Inneren des Turms. Gegen eine zusätzliche Gebühr geht es auf einer Rutschmatte in wenigen Sekunden nach unten. Die aktuellen Regeln nennen Mindestalter beziehungsweise Mindestgröße; jüngere Kinder dürfen die Rutsche nicht allein nutzen oder sind ausgeschlossen. Entscheidend sind immer die Hinweise des Personals vor Ort.
Die Rutsche ist freiwillig. Wer nicht fahren möchte, geht gemütlich über die Rampe zurück. Das ist gerade in Familien praktisch: Ein Elternteil nimmt den Kinderwagen, der andere wartet unten auf die rutschenden Kinder. Klärt den Treffpunkt vorher, weil man sich zwischen Ausgang und Turmfuß leicht verpasst.
Mit Kinderwagen, kleinen Kindern und Hund
Der eigentliche Baumwipfelpfad ist barrierearm und für Kinderwagen sehr gut geeignet. Die Steigung bleibt moderat, die Wege sind breit und durch Geländer sowie Netze gesichert. Laufräder, Roller und ähnliche Fahrzeuge dürfen laut Besucherordnung nicht auf den Pfad. Für Kleinkinder ist der Wagen daher die stressfreieste Lösung, wenn sie nicht die gesamte Strecke laufen.
Kinder unter sechs Jahren dürfen nur mit einem Erwachsenen hinein. Unabhängig vom Alter sollten Kinder auf dem Turm nicht klettern oder Gegenstände durch die Netze werfen. Hunde sind auf dem Baumwipfelpfad nicht zugelassen. Informiert euch vorab über die aktuellen Unterbringungsmöglichkeiten für Hunde am Eingang oder plant den Ausflug ohne Vierbeiner.
Beste Besuchszeit und Öffnungszeiten
Der Pfad ist ganzjährig geöffnet, doch die tägliche Betriebszeit ändert sich im Jahresverlauf. Im Sommer ist gewöhnlich bis in den frühen Abend geöffnet; im Herbst und Winter schließt der Eingang früher. Der letzte Einlass endet bereits vor dem offiziellen Betriebsschluss. In der Wintersaison gibt es zeitweise einen beleuchteten Abendpfad, der eine völlig andere Atmosphäre bietet.
Im Juli und August empfehlen wir den frühen Vormittag oder späteren Nachmittag. Mittags treffen Ausflügler, Busgruppen und Familien häufig gleichzeitig ein. Wer gleich zur Öffnung kommt, erlebt den Wald ruhiger und kann auf der Plattform fotografieren, ohne lange auf einen freien Platz zu warten. Prüft vor der Abfahrt unbedingt die aktuellen Zeiten von Pfad, Sesselbahn und Bus – sie laufen nicht in allen Monaten identisch.
Eintritt, Verpflegung und Zeitplanung
Der Baumwipfelpfad zählt zu den höherpreisigen Ausflügen am Lipno, besonders wenn ihr Bergfahrt, Eintritt und Rutsche kombiniert. Familien- oder Kombitickets können günstiger sein; auch die Lipno.Card kann je nach aktueller Saison Vorteile bieten. Vergleicht die Varianten online, bevor ihr euch an der Kasse entscheidet.
Für den gesamten Ausflug solltet ihr drei bis fünf Stunden einplanen. Der Pfad selbst lässt sich schneller durchlaufen, doch Anfahrt auf den Berg, Aussicht, Spielstationen und eine Pause brauchen Zeit. Am Gipfel gibt es Möglichkeiten für Getränke und etwas zu essen, deren Öffnung saisonabhängig ist. Eine kleine Wasserflasche und ein Snack für Kinder gehören trotzdem in den Rucksack.
Was sich gut kombinieren lässt
Direkt auf dem Kramolín liegt das Königreich des Waldes. Beide Attraktionen an einem Tag sind möglich und werden als Kombination angeboten. Mit jüngeren Kindern ist das jedoch bereits ein volles Tagesprogramm. Wenn ihr den Baumwipfelpfad bewusst genießen möchtet, entscheidet erst nach dem Abstieg, ob noch genug Energie für den großen Spielpark vorhanden ist.
Alternativ fahrt ihr zurück nach Lipno nad Vltavou und beendet den Tag an der Marina oder auf dem Molo. Nach der Höhe und dem weiten Panorama wirkt der Blick vom Ufer überraschend anders. Genau diese Kombination – erst über den Baumkronen, später direkt am Wasser – zeigt die Landschaft rund um Lipno besonders schön.
Unser Fazit
Diesen Ort würden wir jedem Urlauber ohne Zögern empfehlen. Der Baumwipfelpfad verbindet Natur, Aussicht und ein kleines Abenteuer, ohne dass dafür eine schwierige Bergtour nötig ist. Kinder bekommen Spielstationen und Rutsche, Erwachsene das große Panorama, und auch weniger geübte Wanderer erreichen die höchste Plattform bequem.
Nehmt euch Zeit, wählt nach Möglichkeit einen klaren Tag und kommt nicht erst kurz vor dem letzten Einlass. Dann wird aus einer bekannten Attraktion ein Ausflug, an den sich die ganze Gruppe erinnert – und sehr wahrscheinlich einer jener Tage, von denen ihr nach dem Urlaub zuerst erzählt.